Die Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen hat in einer Dokumentation, die mehr ist als nur ein Abschiedsfilm, Einblicke in ihre Erschöpfung, Freundschaft und den schwierigen Prozess des Loslassens gegeben. Im Studio sitzt Campino mit Tränen in den Augen und einem Pappbecher Champagner in der Hand; die Stille ist greifbar. “Ich fühle mich wie verprügelt”, gesteht er.
Die Band hat sich entschlossen, nach fast zwei Jahren Aufnahmen ein letztes reguläres Studioalbum zu veröffentlichen. Das Album «Trink aus, wir müssen gehen!», erscheint Ende Mai und ist das Resultat von neun intensiven Arbeitsjahren. “Wenn wir fürs nächste Album auch noch einmal so lange brauchen würden, wäre ich in den Siebzigern”, äußert Campino gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Obwohl er einzelne Songs nicht ausschließt, ist eine weitere volle Platte für ihn nicht vorstellbar.
Die Dokumentation stellt die Frage nach einem würdevollen Abschluss. Seit 1982 sind Die Toten Hosen mit ihrem charakteristischen Deutsch-Punk bekannt geworden und feiern nun ihren Erfolg über vier Jahrzehnte. Während Campino, Kuddel, Andi und Breiti im Film über das Ende nachdenken, zeigt sich Schlagzeuger Vom Ritchie neugierig auf die Zukunft: “Es gibt so viel auf der Welt, was ich mir noch anschauen will.”
Im Laufe des Films werden Erinnerungen an frühere Zeiten wachgerufen. Regisseur Eric Friedler kombiniert diese mit historischen Videoaufnahmen von den Anfängen im Ratinger Hof, wo finanzielle Schwierigkeiten und zahlreiche Absagen prägend waren. Campino erinnert sich daran, dass damals entschieden wurde: Verkauft jemand ein Instrument aus Not, wird er aus der Band geworfen.
Die Produktion thematisiert auch schmerzhafte Erinnerungen wie das tragische Ereignis beim 1000. Konzert im Rheinstadion Düsseldorf 1997, bei dem eine 16-jährige Zuschauerin ums Leben kam: “Ein sehr einschneidender Moment in unserer Bandgeschichte”, lautet Breitis Kommentar.
Alkohol und Drogen stellten ebenfalls Herausforderungen dar. Ein Zusammenbruch Campinos während einer Tournee Ende der 80er Jahre markierte für ihn einen Wendepunkt: “Ich war nüchtern, während die Band manchmal betrunken auftrat”, erinnert er sich. Dies führte zu einem Umdenken in seiner Lebensweise.
Die meisten Szenen zeigen Die Toten Hosen bei den Aufnahmen im Münsterland, wo sie mit Produzent Vincent Sorg arbeiten – ein Prozess, der bisher unveröffentlicht dokumentiert wurde. Campino probt neue Textzeilen, während die Band das Zimmer verlässt. Der Produzent beschreibt diesen Moment als “nackt” für den Sänger; die anfängliche Version überzeugt nicht.
Die Diskussionen um einzelne Zeilen und den richtigen Ton werden in der Dokumentation festgehalten, während Campino seine Textarbeit als “streckenweise richtig ätzend” beschreibt. Zwischen Rückblicken erwähnt er schließlich sein neues Vaterglück: “Ich habe mir meinen Weg zur Rente anders vorgestellt”, gesteht er.
Campino sieht in der Dokumentation den letzten roten Teppich für die Band. Das 90-minütige Werk «Die Toten Hosen – das letzte Album» ist ab dem 23. Mai um 23.25 Uhr im “Ersten” und danach in der ARD-Mediathek verfügbar.