Die italienischen Behörden haben die Marketingmethoden von zwei großen Kosmetikkonzernen ins Visier genommen, denen vorgeworfen wird, gezielt jugendliche Konsumentinnen anzusprechen. Beauty-Influencerin Rebecca Maurino bewirbt Lipgloss-Sorten wie Pineapple Pout und Coco-Cacao der Marke Gisou für 56 Euro pro Set auf ihren Social-Media-Kanälen. Ein Großteil ihrer fast 340.000 Followerinnen ist unter 18, obwohl sie selbst sich als 18-Jährige fühlt, mit 21 Jahren das jüngste Mitglied der Generation Z in dieser Debatte darstellend.
Die italienische Wettbewerbsbehörde hat eine Untersuchung gegen Sephora und Benefit Cosmetics eingeleitet – beide gehören zur französischen Luxus-Holding LVMH. Die Vorwürfe: Verwendung junger Influencerinnen, um Kinder und Jugendliche zum Kauf von Produkten wie Anti-Aging-Cremes, Gesichtsmasken und Seren zu animieren, die eigentlich nicht für diese Zielgruppe bestimmt sind.
Dermatologe Pierre Vabres betont, dass Hautpflegeprodukte bei Kindern mit gesunder Haut überflüssig seien; empfohlen wird lediglich eine Reinigung mit pH-neutralen Mitteln. Trotzdem werden auf Sephoras Webseite Produkte wie ein Feuchtigkeitsserum von Drunk Elephant für 52 Euro oder eine Tonmaske von Fenty Skin für 37,50 Euro beworben – in der Kategorie “Teenager”.
In Rom bekennt sich Vanessa, 13 Jahre alt, zur täglichen Anwendung von Hautpflegeprodukten. Über Instagram lernte sie ihre Routine kennen und erhält die Kosmetika entweder als Geschenk oder mit Erlaubnis ihrer Eltern. Dennoch ist sie vorsichtig bei Produkten mit Chemikalien, von denen sie weiß, dass sie nicht für ihr Alter geeignet sind.
Im Gegensatz dazu zeigt Alice, ebenfalls 13, wenig Interesse am Pflege-Trend und hält die Preise für überzogen; eine Foundation koste beispielsweise 30 Euro. Ihre Tante Alessandra sieht das Problem eher bei den Eltern als bei Sephora: “Das Problem ist doch nicht Sephora, sondern die Eltern, die das erlauben.”