Auf Landkarten, Strassenschildern und Wanderwegweisern stoßen wir oft auf geheimnisvolle Orts- und Flurnamen. Unsere Mundartexperten beleuchten die Ursprünge einiger besonders kurioser Bezeichnungen.
Die Namen mit „Lebern“ beziehen sich häufig auf Mergelgestein, dessen graue Farbe an Leberorgane erinnert. In Nunningen jedoch geht der Begriff auf das alte Wort „Lee“ für Hügel zurück. Zwei Quartierstrassen sind nach den steilen Abhängen benannt: die schreegi Leebere und die geechi Leebere, eine mit steilem Anstieg und eine flacher.
Flurnamen mit „Cheib“ gibt es in der gesamten Deutschschweiz (z.B. Cheibenloch oder Cheibengraben). Sie beziehen sich nicht auf minderwertiges Kulturland, sondern auf den Schindanger, wo Tierkadaver begraben wurden. Der Begriff stammt aus dem mittelhochdeutschen Wort für „Leichnam“.
Ortschaften und gefährliche Wegabschnitte erhielten manchmal die Namen Beibrächi oder Chneubrächi/Chnübrächer. Im Kanton Solothurn gibt es Ackerflächen wie Rüggebrächer, und Wagebrächi wird ebenfalls mehrfach genannt.
In den Berner und Freiburger Voralpen sowie in Ob- und Nidwalden findet sich der Name Vorschis(s), welcher nichts mit Stuhlgang zu tun hat. Varianten wie Vorsches oder Vorsess sind im Sarganserland als Vorsäss bekannt. Dieser Begriff stammt aus der Zeit, als Bergbauernfamilien saisonal zwischen Tal (Winterwohnsitz), „Vor-Sass“ (Frühling und Herbst) und Alp (Sommerwohnsitz) lebten.
Der Maccaronibach in Subingen und Oekingen wurde nach einer Teigwarenfabrik benannt, die im 19. Jahrhundert den Subingerbach nutzte. Die Ameismühle in Tafers entstand aus einem Familiennamen; sie gehörte der Familie Amey.
Das Bodemünzi war einst Standort des Feldlagers von Karl dem Kühnen vor der Schlacht bei Murten 1476. Der Name leitet sich nicht vom Eidgenössischen Ruf oder einer Münze ab, sondern ist eine eingedeutschte Form von „bou demindze“ – was herrschaftlichen Wald bedeutet.
In der östlichen Schweiz finden wir mehrere Tüüfels-Chilche und Tüüfels-Chanzle in abgelegenen, oft nutzlosen Gebieten wie Waldabhängen oder Felsköpfen. Diese Namen könnten auf die Vorstellung hinweisen, dass der Teufel dort predigt.
Der Name Schweini, der an einen früheren deutschen Fußballspieler erinnern könnte, ist ein Rodungsname in Nordwestschweiz und Aargau. Er bedeutet „Schwund“ für Stellen, wo Wälder gerodet wurden. Das alte Wort für Schwein war nicht „Schwein“, sondern mundartlich „Schwii“ oder „Sou“.
Radio SRF 1, Treffpunkt, 29.4.2026, 10:03 Uhr