In rechtlicher Hinsicht korrekt, doch ungeschickt: Der Versand von Spitalrechnungen aus Sitten an italienische Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat zwischen der Schweiz und Italien für Spannungen gesorgt. Während das Wallis bei dieser Angelegenheit alles nach Vorschrift gehandhabt hat, verfolgen andere Kantone einen diplomatischeren Ansatz.
Die Beziehungen zwischen der Schweiz und insbesondere dem Kanton Wallis zu Italien sind seit Monaten gespannt. Die Empörung in Rom erreichte ihren Höhepunkt, als die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf Social Media kritisierte, dass die Schweiz unmenschlich und beleidigend handele.
Das Spital Sitten hat gemäß EU-Recht, das auch für die Schweiz gilt, Rechnungen an Italien verschickt. Dieses Vorgehen ist laut dem Bundesamt für Sozialversicherungen korrekt. Es war die einzige Möglichkeit für den Kanton Wallis, argumentieren die Behörden.
Andere Schweizer Spitäler, darunter das Inselspital Bern und das Universitätsspital Zürich (USZ), haben jedoch andere Wege gewählt. Das Inselspital hat beispielsweise die Rechnungsstellung ausgesetzt und will zu einem späteren Zeitpunkt abstimmen. Das USZ hat eine Rechnungssperre eingeführt, sodass Patientinnen und Patienten keine direkten Forderungen erhalten.
Die Gründe für diese unterschiedlichen Ansätze bleiben bei den Kliniken unkommentiert. Jedoch lässt die vorsichtige Formulierung darauf schließen, dass sie mögliche Unstimmigkeiten vermeiden wollten. Das Universitätsspital Basel gibt an, keine ausländischen Opfer behandelt zu haben. Eine Anfrage beim Centre hospitalier universitaire vaudois (Chuv) blieb unbeantwortet.
Dies zeigt, dass durch diplomatisches und weniger bürokratisches Vorgehen viel Kritik vermieden werden kann. Auch Italien hat vorerst auf Rechnungsstellung verzichtet. Der italienische Botschafter in Bern betonte, das Walliser Verhalten verstoße gegen den Grundsatz der Gegenseitigkeit.