Mit dem Ausscheiden aus der Opec verliert das Ölkartell nicht nur ein Gründungsmitglied, sondern auch einen der bedeutendsten globalen Erdölförderer. Philipp Dienstbier, Nahost-Experte und Leiter des Regionalprogramms Golf-Staaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Amman, betont, dass dies die Einflussmöglichkeiten der Opec auf den Ölmarkt einschränkt. Der Verlust eines so wichtigen Mitglieds wie der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), das rund zwölf Prozent der Fördermenge innerhalb des Kartells beisteuert, schwächt insbesondere Saudi-Arabien, welches die Opec-Politik maßgeblich prägt.
Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec), bestehend aus Staaten wie Algerien, Kongo und Venezuela sowie den VAE, zielt darauf ab, ihre Erdölpolitik zu koordinieren und gemeinsam über Fördermengen zu entscheiden. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Weltmarktpreise für Öl. Seit 2016 arbeitet die Opec mit elf weiteren Ländern im erweiterten Bündnis Opec+ zusammen, um den Markt zu beeinflussen.
Der Austritt der VAE ist Ausdruck einer schon lange schwelenden internen Auseinandersetzung innerhalb des Kartells. Die Emirate, die ihre Förderkapazitäten ausbauen und mehr Öl verkaufen möchten, sind mit den bestehenden Opec-Quoten unzufrieden, da diese ihrer Ansicht nach zu niedrig angesetzt sind. Während der Konflikt um Quotenerhöhungen andauert, drängen die VAE auf mehr Freiheiten bei der Produktion.
Ein weiterer Grund für den Austritt könnte derzeitige geopolitische Spannungen sein, wie etwa die Blockade der Strasse von Hormus. Obwohl momentan nur ein Teil ihrer Produktionskapazitäten exportiert werden kann, sehen die VAE in einer politischen Lösung und einer Stabilisierung des Energiemarktes Potenzial für zukünftige Exporte höherer Mengen.
Die Beziehungen zwischen den VAE und Saudi-Arabien haben sich in letzter Zeit merklich abgekühlt, unter anderem aufgrund unterschiedlicher strategischer Ziele im regionalen Umfeld sowie wirtschaftliche Konkurrenz. Während die Emirate ihre Wirtschaft früh diversifizierten und Dubai als Modell für eine weniger ölabhängige Wirtschaft etablierten, strebt Saudi-Arabien mit der „Vision 2030“ ebenfalls in diese Richtung. Dies führt zu wachsender Rivalität zwischen den beiden Golfstaaten.
Das Gespräch führte Matthias Kündig.