Craig Venter widmete sein Leben der Bekämpfung des Alterns. Nach dem bahnbrechenden Erfolg, das menschliche Erbgut entschlüsselt zu haben, teilte er als Erster die genetische Blaupause eines einzelnen Menschen mit – nämlich seine eigene. Angesichts der identifizierten Risiken, wie einer erhöhten Herzinfarktgefahr, begann er präventiv Medikamente einzunehmen.
“Die Kenntnis unserer genetischen Risiken gibt uns die Macht, ihnen entgegenzuwirken”, äußerte Venter einst in einem Interview. Später gründete er eine Firma mit dem Ziel, die gesunde Lebensdauer zu erhöhen.
Geboren am 14. Oktober 1946 in Salt Lake City als Sohn eines deutschstämmigen Buchhalters, war Venter stets ein charismatischer und kontroverser Wissenschaftler. Berichten zufolge nahm er die Schule nicht ernst und bevorzugte Surfen. Im Militär diente er während des Vietnamkriegs als Krankenhaus-Sanitäter.
Nach seinem Studium in Kalifornien, das er sich auf Biochemie spezialisierte, stellte Venter 1999 ein internationales Team vor eine Herausforderung: die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts. Mit ungefähr zeitgleichem Erfolg wie das staatlich unterstützte Human Genome Project gelang ihm nach nur 15 Monaten der Durchbruch.
Dieser Erfolg brachte ihm weltweite Bekanntheit ein und machte ihn umstritten. Danach verkündete er und sein Team in rasanter Folge neue Entdeckungen, darunter ein Bakterium mit künstlichem Erbgut zur Vermeidung der Klimakatastrophe und die Erschließung neuer Energiequellen. Auch plante er das jährliche Entschlüsseln von Genomen zehntausender Menschen für eine umfangreiche Forschungsdatenbank.
Venter wurde oft vorgeworfen, übermäßig ambitioniert und geschäftssinnig zu sein. Trotzdem führte er das von ihm gegründete J. Craig Venter Institut und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine außergewöhnlichen Leistungen.
“Craig glaubte daran, dass wissenschaftlicher Fortschritt nur durch Grenzüberschreitung, Entschlossenheit und Innovation möglich ist”, sagte Anders Dale, Präsident des Instituts, nach Venter’s Tod.