Innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren hat sich die Anzahl der Identitätsdiebstähle in der Schweiz fast verzwanzigfacht. Waren es 2023 noch 478 gemeldete Fälle, sind es nun 8102 – ein Anstieg mit gravierenden finanziellen Folgen für die Opfer.
Léa* aus dem Kanton Freiburg ist eine von vielen Betroffenen: Sie wurde mehrfach Opfer dieses Verbrechens und erhielt Rechnungen über Einkäufe, die sie nie getätigt hatte, darunter ein Telefonabonnement oder Ferien im Ausland. Diese ergaben einen Schaden in Höhe von über 20’000 Franken.
Die Betrüger tätigten ihre Käufe über eine gefälschte E-Mail-Adresse und ließen die Mahnungen bei Léa zuhause eintrudeln, während sie selbst die Rechnungen ignorierten. Die Kantonspolizei konnte in ihrem Fall zwei mutmaßliche Täter aus der Region identifizieren.
Ähnlich erging es Matteo in Genf, der für Kontrollschilder und Leasingverträge zweier gebrauchter Mercedes im Wert von 80’000 Franken belangt wurde. Diese wurden mithilfe einer gefälschten Ausweiskopie abgeschlossen.
Obwohl er die Verträge annullieren lassen konnte, bleibt ihm der Ärger über die weiteren Forderungen des kantonalen Strassenverkehrsamtes erhalten – er muss noch 378 Franken für nie benutzte Nummernschilder zahlen.
Der auf neue Technologien spezialisierte Anwalt Gabriel Avigdor betont, dass Unternehmen verpflichtet seien, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um Vertragsabschlüsse mit den richtigen Personen sicherzustellen.
Lexie, eine Influencerin und Lastwagenfahrerin, erlebte einen anderen Identitätsmissbrauch: Ihre Bilder wurden manipuliert, um gefälschte Profile zu erstellen, die zum Erpressen genutzt wurden. Einige Opfer wandten sich an sie mit der Behauptung, hohe Summen verloren zu haben.
Philippe Allain von der Freiburger Kantonspolizei beschreibt die Bekämpfung des Identitätsdiebstahls als komplex aufgrund der raffinierten Methoden. Zudem fehlt es an einem strengen rechtlichen Rahmen für Plattformen.
Lennig Pedron von Trust Valley bei Lausanne erklärt, dass Identität heute zu einer Währung geworden sei und man nicht mehr nur Geld aus der Tasche gestohlen bekomme, sondern die eigene digitale Existenz.