Dieses Jahr könnten die Dividendenausschüttungen der Schweizer Unternehmen neue Höchststände erreichen. Für geschickte Anleger bietet dies eine Möglichkeit, ein zweites Einkommen zu generieren und damit beispielsweise die Rente aufzubessern oder die Kinderausbildung zu finanzieren.
In Zeiten niedriger Zinsen sind Dividendenausschüttungen besonders attraktiv für Sparer. Die Bankengruppe Raiffeisen Schweiz erwartet Rekorddividenden von fast 64 Milliarden Franken bei kotierten Schweizer Firmen. Matthias Geissbühler, Anlagechef der Gruppe, verweist darauf, dass die Dividendenrendite im Swiss-Performance-Index (SPI) über Jahre hinweg konstant bei etwa 3 Prozent liegt. Ein Investment von 100.000 Franken in ein SPI-basiertes Anlageprodukt ergibt somit jährlich rund 3000 Franken Ausschüttung.
Viele Anleger setzen auf Dividendenstrategien, indem sie Aktien von Unternehmen mit hohen Ausschüttungen oder entsprechende Finanzprodukte auswählen. Laut Geissbühler machen Dividenden bei Standardwertunternehmen im Swiss-Market-Index (SMI) durchschnittlich 40 Prozent der Gesamtrendite aus.
Thomas Heller, Chefökonom der Frankfurter Bankgesellschaft, betont die Attraktivität von Schweizer Dividendenrenditen im Vergleich zu Anleihen. In den USA ist dieser Unterschied weniger ausgeprägt aufgrund höherer Bondrenditen. Kritiker heben jedoch hervor, dass solche Strategien nicht immer höhere Renditen als Investitionen in Indexfonds oder ETFs bieten.
Dividendenstrategien bergen das Risiko von Aktienanlagen und eignen sich daher weniger als Anleihenersatz. Sinkt der Aktienkurs schnell, nützt selbst eine hohe Dividendenrendite wenig. Zudem konzentrieren sich diese Strategien oft auf reifere Branchen wie Versicherungen oder Banken, während Technologieunternehmen unterrepräsentiert sind.
Anleger, die Dividendenstrategien nutzen möchten, sollten folgende Punkte beachten:
– Eine hohe Dividendenrendite allein ist irreführend. Sie spiegelt nicht immer die finanzielle Stabilität eines Unternehmens wider und kann trügen, da ein fallender Aktienkurs die Rendite erhöhen kann.
– Die Konstanz der Ausschüttungen ist entscheidend. “Dividenden-Aristokraten” haben seit mindestens 25 Jahren ihre Ausschüttungen jährlich gesteigert, was laut Geissbühler ein Qualitätsmerkmal darstellt.
– Schweizer Anleger sollten auf Unternehmen setzen, die in Franken zahlen, um Währungsrisiken zu vermeiden.
– Um Vermögen effektiv aufzubauen, sollte man Dividenden reinvestieren und thesaurierende Fonds oder ETFs nutzen. Seit 1995 erzielte der SMI eine Durchschnittsrendite von rund 4,7 Prozent pro Jahr, mit reinvestierten Dividenden stieg dies auf 7,7 Prozent.
– Günstige Anlageprodukte wie ETFs sind vorzuziehen, da aktiv verwaltete Fonds oft hohe Gebühren haben. Der SPI Select Dividend 20 bietet beispielsweise gute Optionen für Schweizer Anleger.
Anleger sollten auch steuerliche Aspekte beachten und bei Aktienanlagen mit hohen Dividenden möglicherweise die Säule 3a nutzen, um Steuern zu sparen.