Das globale Handelsnetzwerk stellt sicher, dass Verkaufsregale gefüllt, Tankstellen beliefert und digitale Geräte funktionstüchtig bleiben. Dieses komplexe Gefüge aus Seefahrts-, Luft- und Landtransporten ist essenziell für den weltweiten Güteraustausch.
Aktuelle Konflikte wie der Krieg im Iran oder die Blockade der Straße von Hormus beeinträchtigen diese Verbindungen schwerwiegend. Schiffe werden aufgehalten, was den freien Warenfluss stört.
Viele Staaten ändern einseitig bestehende Handelsregeln, um eigene wirtschaftliche Interessen oder Sicherheitsbedenken zu schützen. Luz Maria de la Mora von der UNO-Direktion für Wirtschaft und Entwicklung, Unctad, warnt: “Dies erzeugt Unsicherheit bei Exporteuren, Investoren, Produzenten und Verbrauchern.”
Ein Beispiel für den Wandel in globalen Lieferketten sind kritische Mineralien, die sowohl für die Energiewende als auch für Rüstungsgüter von Bedeutung sind. Hierbei herrscht ein Wettbewerb zwischen den USA und China, wobei letzteres diese Märkte dominiert. Die USA versuchen eigene Netzwerke aufzubauen, was Raum für neue Akteure schafft, insbesondere in Südostasien.
Wenn Staaten eigene Lieferketten für essenzielle Metalle etablieren, führt das zu einer Fragmentierung: eine von den USA kontrollierte und eine von China beherrschte Kette. “Industrie und Handel müssen sich an neue Gegebenheiten anpassen”, betont Unctad-Direktorin Luz Maria de la Mora, was höhere Kosten für Aufwand und Lagerhaltung bedeutet.
Arme Länder im globalen Süden sind die Verlierer dieser Entwicklung, da sie auf effiziente Lieferketten angewiesen sind, um günstig Waren zu beziehen. Diese Staaten haben jedoch kaum Einflussmöglichkeiten gegenüber dem eingeschränkten Handel und den höheren Kosten.
Ein positives Zeichen ist der zunehmende Süd-Süd-Handel: von 500 Millionen Dollar im Jahr 1995 auf 7 Milliarden Dollar. Dies schafft neue Märkte und Arbeitsplätze, auch wenn die Beträge noch gering sind.
Europa muss sich ebenfalls anpassen und regionale Handelsabkommen mit den USA sowie Investitionsvereinbarungen mit China anstreben, um Rohstoffe zu sichern.
Zwei Drittel des Welthandels werden vermutlich weiterhin über globale Lieferketten laufen, während ein Drittel von Wirtschaftsmächten reguliert wird. Luz Maria de la Mora konstatiert: “In bestimmten Bereichen werden nationale Sicherheitsinteressen die Effizienz eines freien Handels überschatten.” Dies sei nicht ideal, jedoch die neue Realität.