Die ukrainischen Militäraktionen, insbesondere Drohnenangriffe, haben deutlich gemacht, dass sie die von Russland ausgerufene Waffenruhe ignorieren. Diese Lage verursacht im Kreml Unsicherheit vor der geplanten Militärparade am «Tag des Sieges». Am Samstag begeht Russland den «Tag des Sieges», um den Triumph über Nazideutschland vor 81 Jahren zu ehren – ein Höhepunkt im Propagandakalender Putins. Stattdessen jedoch zeigt der Kreml Anzeichen von Nervosität. Vorab wurde das mobile Internet in Moskau blockiert, wohl aus Angst vor ukrainischen Kampfdrohnenangriffen durch das lokale Netzwerk. Die Flugabwehr rund um die Hauptstadt wurde verstärkt. Während mehrere russische Städte ihre Militärparaden aufgrund von Sicherheitsbedenken absagten, wird in Moskau eine eingeschränkte Parade abgehalten: Erstmals seit 19 Jahren marschiert nur Personal über den Roten Platz. Raketen, Panzer oder andere Waffen sind nicht dabei. Der Kreml hoffte auf Ruhe durch eine vereinbarte Kampfpause, doch die Ukraine beteiligte sich an der von Russland einseitig angekündigten Feuerpause für Freitag und Samstag nicht. Präsident Wolodimir Selenski hatte zuvor eine Waffenruhe ab Mittwoch vorgeschlagen, was Moskau ablehnte. Kämpfe gingen daher weiter. Beide Seiten warnten: Selenski schloss einen Angriff während der Feier nicht aus und riet ausländischen Gästen von einer Reise nach Moskau ab. Russland drohte mit einem Vergeltungsschlag auf das Regierungsviertel Kiews, falls dies geschehen sollte. Das Aussenministerium forderte westliche Staaten zur Evakuierung ihrer Botschaften in der ukrainischen Hauptstadt auf – ohne Erfolg. Kurzfristig meldete sich US-Präsident Donald Trump zu Wort: Er verkündete eine dreitägige Waffenruhe und den Austausch von je tausend Kriegsgefangenen, die von Kiew und Moskau bestätigt wurde. Putins Furcht vor feindlichen Störungen ist berechtigt, da die Ukraine ihre Drohnen effektiv einsetzt. So trafen ukrainische Drohnen in der Nacht auf Freitag eine russische Luftraumüberwachungsstelle in Rostow am Don und lahmten den Flugverkehr im Süden Russlands. Weitere Angriffe erfolgten auf ein Rüstungswerk, ein Geheimdienstgebäude und zwei Ölraffinerien. Besonders auffällig ist der wiederholte Angriff ukrainischer Drohnen auf Erdölanlagen in Perm im Ural, rund 1500 Kilometer von der Ukraine entfernt. Moskau liegt dagegen nur 450 Kilometer weit weg. Der Moskauer Bürgermeister berichtete über die Abwehr von 100 Drohnenanschlägen innerhalb zweier Tage. Die «Siegesfeiern» in Moskau vermitteln kaum noch Nationalstolz. Das Fehlen von Waffenparaden und das ausgedünnte internationale Gästeaufgebot sind Zeichen der Verlegenheit. Nur die Präsidenten von Weißrussland, Kasachstan, Usbekistan und Laos sowie der König von Malaysia werden erwartet; als einziger EU-Vertreter wird Sloweniens Ministerpräsident Robert Fico erwartet. Die propagandistische Wirkung der Militärparade scheint nachzulassen. Der «Tag des Sieges» könnte zu einer Belastung für Russland werden, die seine Schwäche offenlegt. Putin steht unter Druck, einen Ausweg aus dem Konflikt mit der Ukraine aufzuzeigen, während das Land mit Internetbeschränkungen und öffentlicher Enttäuschung konfrontiert ist.