Das myanmarische Regime hat die ehemalige Staatschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus dem Gefängnis entlassen, um ihre Haftstrafe im Hausarrest fortzusetzen. Dies wurde Ende April vom Staatsfernsehen verkündet, das meist als Sprachrohr der herrschenden Generäle fungiert. Laut der Mitteilung wurde Suu Kyis Strafe auf 18 Jahre reduziert, als Teil einer umfassenderen Amnestie. Während andere politische Gefangene wie der ehemalige Präsident Win Myint freigelassen wurden, bleiben zahlreiche Oppositionelle im Gefängnis.
Es bleibt ungewiss, ob Suu Kyi die verbleibenden Jahre ihrer Strafe erleben wird – sie ist bereits 80 Jahre alt. Nach dem Militärputsch 2021 wurde sie wegen verschiedener Vorwürfe wie Korruption und Geheimnisverrat zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt.
Das Regime behauptet, Suu Kyi sei in ein Haus in Naypyidaw überführt worden. Doch weder Familie noch Öffentlichkeit haben seitdem von ihr gehört oder gesehen. Die Behörden veröffentlichten ein altes Foto zur Untermauerung ihrer Aussage, das bereits mehrere Jahre alt ist. Suu Kyis Sohn Kim Aris, der in England lebt, äußerte seine Besorgnis: “Ich weiß immer noch nicht, wo meine Mutter ist oder wie es ihr geht”, sagte er Reuters gegenüber.
In den letzten Jahren gab es Gerüchte über einen rapide verschlechterten Gesundheitszustand Suu Kyis in Haft. Ihre Anwälte haben sie seit drei Jahren nicht mehr gesehen. Früher war Suu Kyi die Symbolfigur der Demokratiebewegung Myanmars, nachdem sie in den 1980er Jahren aus dem Exil zurückkehrte.
Als ihre Partei bei den freien Wahlen von 2015 gewann, musste Suu Kyi aufgrund verfassungsrechtlicher Einschränkungen eine alternative Führungsfunktion einnehmen. Die westliche Welt war enttäuscht über ihr Verhalten während des Rohingya-Genozids im Jahr 2016, was zu einem Rückgang ihrer Unterstützung führte.
Die Entscheidung, ihre Haftbedingungen zu lockern, könnte mehrere Gründe haben: eine Charmeoffensive der neuen Militärregierung unter General Min Aung Hlaing zur Wiederherstellung internationaler Beziehungen und die Rückeroberung von Distrikten im Bürgerkrieg. Die Generäle könnten auch darauf setzen, dass Suu Kyis Einfluss geschwunden ist.
Der Myanmar-Experte David Scott Mathieson weist darauf hin, dass ihre Unterstützung unter ethnischen Gruppen, insbesondere in den Regionen Shan und Rakhine, schwach geblieben ist. Diese Minderheiten spielen eine Schlüsselrolle im aktuellen Bürgerkrieg.
In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob die Militärregierung ihre diplomatische Offensive fortsetzt und Suu Kyi ein Lebenszeichen von sich gibt.