Symbol des Alpenpanoramas und Wappenmotiv, der Alpensteinbock (Capra ibex) ist heute wieder eine häufige Erscheinung in den Alpen. Das war jedoch nicht immer so. Im 19. Jahrhundert wurde er in der Schweiz wegen intensiver Jagd ausgerottet. Fleisch, Fell sowie Hörner und Körperteile, die als heilkräftig galten, waren besonders begehrt.
Mit der Verbreitung von Feuerwaffen stieg der Druck auf die Steinböcke weiter an, sodass sie aus weiten Teilen des Alpenraums verschwanden. Das letzte Exemplar in der Schweiz wurde 1809 im Wallis erlegt. Nur im Nationalpark Gran Paradiso in Italien überlebten einige Tiere als Teil eines königlichen Jagdreservats.
Die Schweizer Versuche, legal Steinböcke aus dem italienischen Reservat zu erhalten, scheiterten. Die Behörden griffen daraufhin auf einen unkonventionellen Weg zurück: Sie engagierten Wilddiebe, die Tiere illegal schmuggelten. Der illegale Handel begann 1906 und führte dazu, dass Steinböcke im Tierpark Peter und Paul in St. Gallen gezüchtet wurden.
Am 19. Juni 1920 kehrte der Steinbock offiziell zurück, als sieben Tiere aus dem Tierpark ins Schweizerische Nationalparkgebiet freigelassen wurden. Heute müssen die Behörden für den Erhalt der Art neue Wege gehen: In Zusammenarbeit mit Italien werden vierzig Steinböcke an das Land ihres Ursprungs zurückgegeben, darunter einige aus dem Tessin.
Der Alpensteinbock steht heute vor neuen Herausforderungen. Die genetische Vielfalt ist begrenzt, und viele Populationen stammen von wenigen Tieren ab. Zudem verändern der Klimawandel und die Verschiebung der Vegetationsgrenze nach oben das Ökosystem der Alpen.
Aufgrund seiner eingeschränkten Fähigkeit zur Temperaturregulation muss der Steinbock bei Hitze in höhere, nährstoffärmere Regionen ausweichen. Dies erschwert ihm die Anpassung an den raschen ökologischen Wandel.