Hinter verschlossenen Fenstern steht das ehemalige Pflegeheim Herdschwand in Emmen, seit Jahren verlassen. Die Absperrgitter wirken fast schon einladend. Überwuchert vom Gras führt eine Trampelpfad auf das Gelände des stillgelegten Heims. Auf dem Grundstück hinter einem Baumarkt im belebten Wohnquartier riecht es nach feuchtem Gras, Wolken hängen tief und grau über der Szenerie.
Trotz Absperrungen sind Verwilderung und Zerfall sichtbar. Fenster sind mit Holzbrettern verschalt, Balkone leer, die Fassade gesprenkelt mit Graffiti und Kritzeleien. Auf dem abgesperrten Vorplatz hat sich seit der Schliessung 2017 viel Natur zurückgeholt.
Das Gelände ist ein beliebtes Ziel für Urban Explorer, die trotz Verboten eindringen. Online berichten sie von einem Gebäude, das in einen Rohbau verwandelt worden sei, mit abgedeckten Fenstern und besprayten Wänden. Warnungen kursieren unter Anwohnern, die bei Aktivitäten auf dem Gelände sofort die Polizei rufen.
Die Geschichte des Ortes ist geprägt von politischen Auseinandersetzungen und juristischen Hindernissen. Das einstige Alters- und Pflegeheim soll in einen Wohnkomplex mit bis zu 160 Wohnungen umgewandelt werden – ein Projekt, das seit über einem Jahrzehnt auf Hindernisse stößt.
1976 eröffnete das Heim nach zweijähriger Bauzeit. Während der Rezession in den 70er Jahren wurde es gemeinsam mit dem Hallenbad Mooshüsli errichtet, als Beitrag zur Gemeindeentwicklung. Doch um die Mitte der 2010er Jahre zeichnet sich ab, dass ein Neubau notwendig ist.
Ein Projekt namens “Neuschwand” von Losinger Marazzi AG gewinnt den Wettbewerb für eine Neugestaltung des Areals. Ein überparteiliches Komitee bildet sich dagegen und kämpft gegen den Verkauf des Grundstücks, das sie als strategische Reserve bewahren wollen.
2015 stimmt die Bevölkerung dem Verkauf zu, allerdings nur knapp. Die Bewohner ziehen um, doch rechtliche Herausforderungen verzögern das Projekt erheblich. Asbestfund und fehlerhafte Vergabeverfahren führen zu jahrelangen Gerichtsverfahren.
Erst 2022 kommt die Wende: Das Bundesgericht gibt grünes Licht für “Neuschwand”. Trotz abgespeckter Pläne ist der Baubeginn aber immer noch nicht erfolgt. Philipp Kiefer, Leiter Ausführung Zentralschweiz von Losinger Marazzi, bestätigt jedoch den Rückzug der letzten Einsprache.
Die Arbeiten sollen nun beginnen: Das Personalhaus wird saniert und für Wohnungen genutzt, während die übrigen Gebäude abgerissen werden. Für 2029 ist die Eröffnung des Projekts geplant. Neben Wohngebäuden sind öffentliche Wege und Freiräume vorgesehen, auch ein historischer Kornspeicher bleibt erhalten.
Quellen: zentralplus Medienarchiv, Losinger Marazzi AG, Foren von Urban Explorern