Die Preise für Schlachtkoteletts haben sich in den letzten Wochen stark verringert. Aktuell liegt der Preis pro Kilo bei nur noch 3,70 Franken, was einem Rückgang von über einem Franken im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Der Hauptgrund für diesen dramatischen Preissturz ist eine Überproduktion auf dem Schweinefleischmarkt. Seit August 2026 liegt das Angebot deutlich über der Nachfrage, wie Roman Winiger, ein Mitglied des Zentralvorstands von Suisseporcs und Präsident ihrer Zentralschweizer Sektion, betont: “Dies führte zu einer Anhäufung von Lagerbeständen.” Im Januar folgte eine Preiskrise, bei der der Schlachtpreis pro Kilo binnen einer Woche um 70 Rappen fiel.
Um die Marktsituation zu stabilisieren, hat Suisseporcs ein Stilllegungskonzept entwickelt. Dieses sieht vor, dass Schweinezüchter, die ohnehin kurz davor stehen, ihre Betriebe aufzugeben, finanziell dazu motiviert werden sollen, früher aus dem Markt auszusteigen. Das Ziel ist es, jährlich rund 1.500 Zuchtsauenplätze vom Markt zu nehmen. Die Ausgleichszahlung für den Stallbesitzer beträgt pro Tier etwa 2.000 Franken. Diese Summe stammt aus einem Fonds, dem alle Schweinehalter beitragen. Mit diesem Ansatz hofft man, die Fleischpreise wieder in Schwung zu bringen.
Diese Massnahme stößt jedoch auf geteilte Reaktionen unter den Züchtern. Auf der Delegiertenversammlung von Suisseporcs am Mittwoch in St. Urban LU kam der Widerstand besonders aus dem Osten des Landes zum Ausdruck, wo die Betriebe tendenziell größer sind als im Zentrum. Die Produzenten wehren sich gegen den Eingriff und setzen auf den freien Markt.
Die Kritiker werfen Suisseporcs vor, ein unzureichend ausgearbeitetes Konzept durchzusetzen wollen. “Es besteht die Gefahr von Missbrauch bei der Verteilung des Geldes”, warnte ein Delegierter aus dem Osten. Ein weiterer forderte daher, zusätzliche Alternativen zum Stilllegungskonzept zu prüfen und den Entscheid über das Konzept aufzuschieben. Beide Anträge wurden jedoch abgelehnt.
Doch es gibt auch Befürworter: Roman Winiger sieht im Stilllegungskonzept ein “wichtiges Puzzleteil für die Mengensteuerung”. Ein weiterer Delegierter äußerte, dass es momentan keine greifbaren Alternativen gebe. Die Wirksamkeit des Konzepts bleibt abzuwarten.
Die endgültige Entscheidung fällt am 27. Mai in Olten bei einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung von Suisseporcs. Hier wird über das Stilllegungskonzept entschieden, wobei eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist.
Generell steigen die Preise für Schweinefleisch, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, was dazu führt, dass Züchter ihre Produktion ausweiten. Allerdings kann ein zu schnelles Wachstum später in einem Überangebot resultieren, wodurch sich die Verkaufspreise erneut drücken lassen. Diese Schwankungen sind Teil des sogenannten Schweinezyklus.
Regionaljournal Zentralschweiz, 7.5.2026, 6:31 Uhr; ettp/fise; thon; herb