Ein Gutachten legt Reformvorschläge für den deutschen Arbeitsmarkt vor und regt eine Lockerung des Kündigungsschutzes an, um die Wirtschaft anzukurbeln. Der Beirat der Stiftung Familienunternehmen, zu dem Ökonomen wie Hans-Werner Sinn, Clemens Fuest und Gabriel Felbermayr zählen, plädiert für mehr Flexibilität im Arbeitsrecht.
Startups bräuchten laut den Autoren die Möglichkeit, Personal flexibler einzustellen und abzubauen. In Deutschland sei dies jedoch kompliziert und kostspielig, was Unternehmen davon abhalte, hier zu investieren, so der Ifo-Institutspräsident Clemens Fuest: «Der starre Arbeitsmarkt verhindert, dass manche Firmen nach Deutschland kommen.» Für die Attraktivität im Bereich künstlicher Intelligenz sei ein flexiblerer Kündigungsschutz entscheidend.
Auf EU-Ebene sehen die Experten weiteres Potenzial für Reformen. Trotz formeller Diskriminierungsverbote existieren laut Gabriel Felbermayr strukturelle Hindernisse, wie Probleme bei der Übertragung von Rentenansprüchen und Anerkennung von Berufslehren. Diese sorgen dafür, dass Arbeitskräfte nicht optimal eingesetzt werden können, was die Wettbewerbsfähigkeit Europas schwächt.
Die Vorschläge stoßen auf politischen Widerstand, Gewerkschaften warnen vor einer Schwächung der Arbeitnehmerrechte. Doch Clemens Fuest zeigt sich zuversichtlich bezüglich möglicher Veränderungen und erwähnt die Kompromissbereitschaft von Finanzminister Lars Klingbeil für mehr Flexibilität bei Startups.
Fuest betont jedoch, dass komplexe Ausnahmeregeln unerwünschte Nebeneffekte haben könnten. Eine selektive Aufhebung des Kündigungsschutzes könnte bestimmte Branchen benachteiligen und die gewünschten positiven Effekte untergraben.