Nachdem Heinz Tännler, Finanzdirektor des Kantons Zug, die Initiative seiner eigenen Partei noch vor wenigen Monaten kritisch betrachtete, verkündet er nun seine Unterstützung: Er wird am 14. Juni mit Ja stimmen. Früher warnte er, dass eine starre Obergrenze das Wirtschaftswachstum stark hemmen könnte. Nach gründlicher Auseinandersetzung mit den Argumenten änderte sich seine Meinung, wie er in einem Interview mit «Blick» erklärte.
Tännler begründet seinen Meinungswechsel hauptsächlich mit dem Fehlen eines Gegenvorschlags des Bundesrats. Er kritisiert, dass der Bundesrat und das Parlament den Wachstumsdruck im Land unterschätzen würden. Die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen überzeugten ihn nicht; er empfindet sie als unzureichend.
Tännler befürwortet eine stärkere Steuerung der Zuwanderung, insbesondere durch Kontingente. So könnte ein Kanton wie Zug beispielsweise ein bestimmtes Kontingent an Fachkräften erhalten. Die Schweiz müsse sich mehr auf Qualität als Quantität konzentrieren.
Der Finanzdirektor sieht im Familiennachzug und dem Asylwesen Handlungsbedarf, da die derzeitige Regelung zu unklar sei. Letztlich liege die Verantwortung für deren Umsetzung jedoch beim Bund.
Trotz seiner neuen Haltung verteidigt Tännler die bisherige Wohlstandspolitik Zugs und betont, dass das Ziel nicht ein ungebremstes Wachstum sei. Zug soll kein Ort mit immer mehr Hochhäusern werden. Er glaubt auch nicht, dass Unternehmen wegen der Initiative abwandern würden; solche Warnungen bezeichnet er als Angstmacherei. Er weist auf die positive Finanzlage des Kantons hin: Für 2025 prognostiziert er einen Überschuss von 430 Millionen Franken und für 2028 sogar 600 Millionen Franken.
Im Gespräch äußert sich Tännler zum demografischen Wandel, betont die Notwendigkeit einer Diskussion über eine Anhebung des Rentenalters und fordert mehr Investitionen in Bildung, Pflegepersonal sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie.