Autorin Hana Fink beleuchtet die möglichen Konsequenzen einer Annahme oder Ablehnung der Initiative zur Begrenzung der Schweizer Bevölkerung auf zehn Millionen. Die Luzerner Regierung hat in Reaktion auf Anfragen aus dem Kantonsrat Stellung genommen, um die potenziellen Auswirkungen auf Wohnraum, Fachkräftemangel und den öffentlichen Verkehr zu klären.
Der Luzerner Regierungsrat lehnt die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ab und teilt damit die Ansicht der anderen Kantonsregierungen. Obwohl das Bevölkerungswachstum Herausforderungen mit sich bringt, insbesondere in den Bereichen Wohnen, Verkehr, Energie und Umwelt, sieht er die Initiative als kontraproduktiv an. Sie bedrohe den Wohlstand und verschlimmere den Fachkräftemangel sowie die Effizienz von Polizei, Gesundheitswesen und Schulsystem (zentralplus berichtete bereits über Probleme im Zuger Gesundheitswesen).
Ein Ja zur Initiative könnte auch schwerwiegende Folgen für die Polizeiarbeit haben. Mit dem möglichen Austritt aus der Personenfreizügigkeit könnten Schengen und Dublin gefährdet sein, was den Zugriff auf das Schengener Informationssystem (SIS) einschränken würde. Dieses System ist entscheidend für die Überprüfung von gesuchten Personen, Einreiseverboten sowie gestohlenen Fahrzeugen oder Waffen in der Schweiz. Ohne diesen Zugang würden Sicherheitsrisiken entstehen.
Im Asylbereich könnten Mehrkosten entstehen, da Personen, deren Asylantrag in einem EU-Staat abgelehnt wurde, möglicherweise erneut in der Schweiz einen Antrag stellen könnten. Dies würde eine Ausweitung der Asylstrukturen von Bund und Kantonen erforderlich machen.
Das Gesundheitswesen wäre besonders betroffen: Im Kanton Luzern arbeitet ein Fünftel des Personals im Gesundheits- und Sozialbereich aus dem Ausland, während landesweit 75 Prozent der neu rekrutierten Ärzte nicht schweizerisch sind. Ein Ja zur Initiative könnte zu reduzierten Gesundheitsleistungen, Versorgungslücken und längeren Wartezeiten führen.
Auch für die Wirtschaft, insbesondere KMU, gibt es Warnsignale: Der Wegfall der Personenfreizügigkeit würde eine Rückkehr zu Arbeitskräftekontingenten bedeuten, was bürokratische Herausforderungen und Nachteile gegenüber großen Unternehmen mit sich bringen könnte. Im Bereich des internationalen Verkehrs wären mehr Zollkontrollen und längere Wartezeiten an Grenzen die Folge.
Luzern plant trotz der Bevölkerungszunahme eine gezielte Steuerung des Wachstums durch den Richtplan, ohne das Siedlungsgebiet über 12.000 Hektaren bis 2050 zu vergrößern und gleichzeitig Fruchtfolgeflächen von 27.500 Hektaren zu bewahren.
Die Anzahl der Haushalte steigt schneller als die Bevölkerung, was zusätzlichen Wohnraum erfordert (zentralplus berichtete bereits über diese Situation). Der Kanton will mit dem Projekt «Digi Bau Pro» Baubewilligungsverfahren beschleunigen und den Wohnungsbau erleichtern.
Beim Thema Umwelt bleibt der Regierungsrat optimistisch, dass technische Lösungen wie Wärmepumpen und E-Autos die Herausforderungen bewältigen können. Trotz des Bevölkerungswachstums rechnet Luzern nicht mit einem abrupten Ende dieses Trends. Im Gegenteil: In den letzten 30 Jahren wuchs die Bevölkerung im Kanton durchschnittlich um ein Prozent pro Jahr, und dieser Trend dürfte sich in Zukunft fortsetzen.