Dass Finanzdirektor Heinz Tännler vom Zugersee die SVP-Zuwanderungsinitiative plötzlich unterstützt, offenbart die verdrängten Zielkonflikte vieler. Politiker haben die Wahl: Widersprüche kaschieren oder öffentlich zelebrieren. Tännler hat sich für Letzteres entschieden.
Im Oktober 2025 kritisierte er in der NZZ die SVP-Initiative “Keine 10-Millionen-Schweiz” scharf, da sie die Wirtschaft gefährde. Heute spricht er von Grenzen des Schweizer Wachstums und unterstützt die Initiative, wie zuerst im “NZZ am Sonntag” und später auch im “Blick” bekanntgegeben.
Während seine Meinungsänderung spektakulär ist, sind die inhaltlichen Widersprüche aufschlussreicher. Tännler, der maßgeblich die tiefen Steuerpolitik des Kantons Zug fortsetzte und das Wirtschaftswachstum vorantrieb, will nun Zuwanderung begrenzen – ein Vorgehen, das an einen Koch erinnert, der versucht, eine übergare Suppe mit einem Deckel zu retten.
Die erfolgreiche Standortstrategie des Kantons Zug führte zum Wohlstand und die Schweiz profitiert von einer attraktiven Steuerlandschaft. Die Zuwanderung ist in dieser alternden Gesellschaft unvermeidlich, da sie Arbeitsplätze schafft.
Das Bevölkerungswachstum sorgt nun für Unbehagen, selbst unter Tännler. Dennoch sind die Folgen der SVP-Initiative nicht zu unterschätzen:
Erstens: Weniger Zuwanderung bedeutet weniger Wohlstand. Die heutigen Lebensstandards basieren auf diesem Wachstum.
Zweitens: Der demografische Zeitpunkt ist ungünstig, um die Zuwanderung zu bremsen. Das Ungleichgewicht zwischen Pensionierten und Erwerbstätigen könnte sich verschärfen.
Drittens: Die Initiative würde eine Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU erfordern – ein Schritt, dessen Folgen unklug sein könnten. Andere Maßnahmen wären sinnvoller.
Viertens: Tännlers Wunsch nach Kontingentierung neben der Beibehaltung der Freizügigkeit gleicht einer Steuererhöhung im Kanton Zug – unrealistisch und riskant.
Trotz seiner umstrittenen Position bleibt klar, dass die SVP-Initiative weitreichende Konsequenzen hätte.