In der Tourismusmetropole Luzern, die mit einem neuen Höchstwert an Übernachtungen konfrontiert ist, wächst die Kritik am sogenannten Massentourismus. Trotz steigender Gästezahlen – im vergangenen Jahr verzeichnete allein die Stadt Luzern 1,48 Millionen Hotelübernachtungen und die Region Luzern-Vierwaldstättersee insgesamt über vier Millionen – wird in der Stadt intensiv über die Auswirkungen des Tourismus diskutiert. Eine Allianz aus SP, Juso und Junggrünen forderte kürzlich ein Limit für Hotels und Betten an. Kurz darauf ergänzte die IG Nachhaltiger Tourismus ihre Forderungen um einen Rückgang von Airbnb-Angeboten, eine Reduzierung neuer Hotelprojekte auf ehemaligen Geschäftsräumen und den Stopp der Übersee-Werbung mit Steuergeldern, was zu scharfer Kritik des Tourismus Forums Luzern führte.
Tourismusverantwortliche nehmen die Kritik ernst. Martin Bütikofer, Präsident von Luzern Tourismus, betonte bei einer Medienkonferenz, dass faire Kritik eine wertvolle Ressource sei und das Gespräch mit der Bevölkerung angestrebt werde. Er erläuterte, dass sich die Rolle des Tourismus in den letzten Jahrzehnten gewandelt habe: von einer reinen Marketingorganisation zu einem umfassenden Destinationsmanagement.
Marcel Perren relativierte zudem die aktuelle Diskussion über Besucherlenkung; ein Thema, das mittlerweile viele große europäische Städte beschäftigt. In Luzern sei es besonders präsent aufgrund der geringeren Größe der Stadt. Eine einzige Maßnahme zur Konfliktlösung gebe es nicht.
Perren äußerte sich auch zum Dokumentarfilm “Überrannt – Overtourism in der Schweiz” des Luzerner Filmemachers Jörg Huwyler, der den Massentourismus kritisch beleuchtet. Der Film sei jedoch veraltet und zeige Tourismustrends vor Corona.
Luzern Tourismus plant verschiedene Maßnahmen zur Besucherlenkung in den kommenden Jahren, darunter KI-gestützte Reiseführer und das “Tourismuscockpit” für bessere Analyse und Lenkung der Besucherströme. Eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der Zentralschweiz und digitale Lösungen stehen ebenfalls im Fokus.
Um Touristen auf respektvolles Verhalten aufmerksam zu machen, kooperiert Luzern mit dem Schweizer Tourismus-Verband an der Kampagne “Travel with Care”. Philipp Niederberger vom Schweizer Tourismusverband erklärte, dass solche Initiativen Zeit benötigen.
Gleichzeitig wirkt sich die globale politische Lage negativ auf den Tourismus aus. Der Iran-Konflikt und steigende Ölpreise beeinträchtigen insbesondere Reisegruppen aus Asien. Luzern rechnet zwar mit einer teilweisen Kompensation durch Schweizer Touristen im Sommer, doch in der Nebensaison könnte sich die Lage verschlechtern. Der asiatische Markt liegt immer noch 40 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019.
Für das gesamte Land prognostiziert “Schweiz Tourismus” einen moderaten Rückgang der Logiernächte um 2 bis 3 Prozent – den ersten seit der Pandemie. Die USA bleiben ein stabiler Wachstumstreiber, wobei US-Touristen die größte ausländische Gästegruppe in Luzern darstellen und durchschnittlich länger als andere Besucher verweilen.
Langfristig wird sich der Druck auf Luzern nicht verringern. Der Kanton plant ein neues Tourismusleitbild für 2027, das mit einer Finanzierung von 3,15 Millionen Franken unterstützt wird. Die Herausforderung besteht darin, das städtische Wachstum zu managen und gleichzeitig eine lebendige Stadt zu erhalten.
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