Jeden Morgen bildete sich bereits um sechs Uhr eine Schlange vor dem Bundesbezirksgericht von Oakland, während Journalisten und Interessierte darauf warteten, einen der begehrten Zuhörerplätze zu ergattern. Das Verfahren ist eines der bedeutendsten Tech-Prozesse in jüngster Zeit: Elon Musk und das wertvolle Startup Open AI streiten sich um die Zukunft der künstlichen Intelligenz (KI). Die Zeugenliste beinhaltet Persönlichkeiten wie Musk selbst, Sam Altman, Greg Brockman sowie Microsoft-CEO Satya Nadella und Bret Taylor von Open AI. Der Vorwurf Musks: Altman und Brockman hätten die gemeinnützige Organisation Open AI zu einem profitorientierten Unternehmen umgewandelt und sich persönlich bereichert. Open AI entgegnet, dass diese Umwandlung notwendig war, um Ressourcen für KI-Fortschritte zu finanzieren.
Neun Geschworene werden nun entscheiden, ob Musks Vorwürfe gerechtfertigt und rechtzeitig sind. Ihre Entscheidung wird von der Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers berücksichtigt, die auch den Prozess mit strenger Hand führt. Musk fordert eine Rückführung Open AIs in eine Nonprofit-Organisation und Schadenersatz für die ursprüngliche Organisation.
Die Auswirkungen des Verfahrens könnten weitreichend sein: Ein Erfolg Musks könnte Open AI destabilisieren, das gerade vor einem Börsengang steht. Gonzalez Rogers, bekannt aus dem Monopolverfahren gegen Apples App-Store, hat klare Regeln für die Prozessführung etabliert und Social-Media-Kommunikation während des Verfahrens untersagt.
Die drei Wochen der Zeugenvernehmungen offenbarten weniger neue Erkenntnisse als vielmehr ein negatives Bild der Tech-Größen. Besonders Sam Altman steht unter Druck; seine Beteiligungen an anderen Firmen könnten Interessenkonflikte darstellen, die im Hinblick auf den geplanten Börsengang von Bedeutung sind.
Altman betonte im Zeugenstand das Engagement für Open AI als Mission. Dennoch zeichneten Musks Anwälte ein Bild des CEO als manipulativ und wenig vertrauenswürdig, gestützt auf Zeugenaussagen und interne Kommunikation von Open AI.
Die Geschworenen erfahren auch von früheren Plänen Musks, Open AI mit Tesla zu verschmelzen. Im Gericht zeigte Musk bisweilen Unruhe und konfrontierte die Gegenseite direkt. Auch wurde bekannt, dass Zuckerberg ein Angebot für einen Kauf durch Facebook abgelehnt hatte.
Das Verfahren wirft ein kritisches Licht auf alle Beteiligten und könnte das öffentliche Ansehen der KI-Industrie schädigen. Die jüngsten Ereignisse machen die großen Versprechen von KI weniger glaubwürdig, während Umfragen eine negative Wahrnehmung in den USA zeigen.
Für Altman steht viel auf dem Spiel: Sollte Musk obsiegen, könnte dies zu einer Neuausrichtung der Führung bei Open AI führen. Unabhängig vom Ausgang hat das Verfahren pikante Details über die Finanzen von Konkurrenten offengelegt und damit für viele Tech-Moguln ein negatives Licht geworfen.