Im Mai 1956 gelangen Schweizer Seilschaften zu den Gipfeln des Lhotse und Mount Everest. Erstmals veröffentlichte Aufzeichnungen offenbaren nicht nur Triumph, sondern auch Konflikte und gesundheitliche Probleme. Ernst Reiss aus Davos und Fritz Luchsinger aus Thun erreichten als erste die 8516 Meter hohe Spitze des Lhotse. Der Tee war gefroren, sie ernährten sich von Traubenzucker und waren fasziniert von der Aussicht, während sie sich gegen den eisigen Wind schützten. Reiss notierte: «Wir sind Beschenkte! Doch wir bangen um den gähnenden, windgepeitschten Abstieg.» Die Schweizer Expedition erzielte vor 70 Jahren neben dem Lhotse auch zwei Besteigungen des Mount Everest durch andere Teams. Die Leistung der Schweizer fand weltweit Anerkennung; Sir Edmund Hillary gratulierte via BBC und Paul Chaudet, Vorsteher des Militärdepartements, sandte ein Telegramm: «Sie haben mit Ihrem Einsatz einen Sieg errungen, auf den unser Land stolz ist.» Bei der Rückkehr in Zürich wurden die Bergsteiger wie Helden gefeiert. Neuere Publikationen, darunter Hans-Rudolf Keusens Buch „Everest-Lhotse“, enthüllen jedoch Konflikte und gesundheitliche Probleme innerhalb der Expedition. Diese basieren auf Tagebüchern der Teilnehmer, die zeigen: Die Wahrheit war komplexer als das ursprünglich dargestellte Heldenepos. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten Schweizer und Briten den Everest zu besteigen. Nepal vergab jedoch pro Jahr nur ein Permit für eine Expedition aus einem Land. 1952 erreichten Schweizer Bergsteiger den Südsattel, und Hillary sowie Norgay bestiegen ein Jahr später erstmals den Gipfel. Die SSAF plante 1956 eine weitere Expedition, mit Albert Eggler als Leiter. Die Teilnehmer mussten 5000 Franken zahlen; die Stiftung übernahm die restlichen Kosten. Eggler versuchte vergeblich, auch das Lhotse-Permit zu erhalten, was zu Spannungen führte. Trotzdem bestätigte die Stiftung später ihre Unterstützung. In Indien kam es zur Auseinandersetzung um die Expeditionsleitung, da Eggler auf eigene Faust handelte. Hans Grimm schrieb: «Ich werde mich dafür einsetzen, dass zuerst der Everest versucht wird.» Die Konflikte führten jedoch nicht zum Sturz Egglers. Während des Anmarsches litten die Bergsteiger unter gesundheitlichen Problemen und widrigen Bedingungen. Fritz Luchsinger erkrankte schwer an einer Blinddarmentzündung, was eine Operation riskant machte. Der Expeditionsarzt Eduard Leuthold behandelte ihn mit Antibiotika. Trotz der Herausforderungen setzte die Expedition ihren Plan fort.