Die Stadt Zürich ist gezwungen, ihre Häfen mit umweltfreundlichen Maßnahmen zu ergänzen, um deren Betrieb weiterhin genehmigt zu bekommen. Am Dienstag wurde in Wollishofen ein Testlauf durchgeführt. Gesetze sind oft abstrakt. Doch manchmal führen rechtliche Bestimmungen zu unerwarteten Konsequenzen im Alltag. Ein Beispiel dafür ist das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz, welches vorschreibt, dass Eingriffe in Gewässer durch ökologische Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden müssen. Ohne diese Maßnahmen sind keine Konzessionen für die Betreibung von Häfen oder Badeanlagen im Zürichsee möglich. Die Stadt muss daher solche Maßnahmen für ihre Häfen in Wollishofen, Mythenquai, Enge, Stadthausquai, Utoquai und Riesbach ergreifen. Da die Konzessionen dieser Anlagen Ende des Jahres auslaufen, müssen neue Ersatzmaßnahmen getroffen werden. Auch für andere städtische Bauten am Wasser sind in den nächsten Jahren ähnliche Maßnahmen erforderlich. Trotz der Ablehnung durch FDP und SVP hat das Stadtparlament einen Rahmenkredit von 69 Millionen Franken genehmigt. Die Bevölkerung wird Mitte Juni darüber abstimmen. Was bedeuten diese Maßnahmen konkret? Vor der Roten Fabrik, etwa 350 Meter vom Ufer entfernt, sind aktuell eine schwimmende Plattform und ein Frachtschiff vor Anker. Ein Bagger hebt zweieinhalb Kubikmeter oder fünf Tonnen Schutt in die Luft und versenkt ihn im See. Diese Aktion wird sich mehrmals wiederholen, um insgesamt 240 Tonnen Schutt unter Wasser zu platzieren. Dieser Prozess soll den Seegrund um etwa zwei Meter anheben. Ziel der Aktion, geleitet vom Tiefbau- und Entsorgungsdepartement von Simone Brander (SP), ist es, die Reaktion des Seegrunds auf diese Maßnahmen zu testen. Das Prinzip: Material wird versenkt, um künstliche Flachwasserzonen mit weniger als acht Metern Tiefe zu schaffen. Dadurch soll Sonnenlicht Unterwasserpflanzen zum Wachsen bringen und neue Lebensräume für Fische und andere Meerestiere entstehen. Simone Brander betont, dass die Menschen auf dem Wasser nichts von den unter Wasser stattfindenden Maßnahmen mitbekommen sollen. Gelbe Bojen mit Sensoren messen gleichzeitig den Einfluss dieser Schüttungen auf den Seegrund und die Wassertrübung. Die Daten werden ein Jahr lang gesammelt. Das versenkte Material stammt aus dem Erkundungsstollen beim Bahnhof Stadelhofen, ist unverschmutzt und soll das Seebecken umweltschonend aufwerten. Bis 2036 sollen rund 900.000 Tonnen Material im See versenkt werden, um neue Flachwasserzonen zu schaffen und Uferzonen mit Schilf zu bepflanzen. Simone Brander sieht die SBB-Großbaustelle als Glücksfall für den Zugang zu geeignetem Material. Die Kostenbeteiligung der SBB könnte die finanzielle Belastung der Stadt verringern. FDP und SVP sind jedoch skeptisch, ob diese teuren Maßnahmen notwendig sind.