Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) planen eine Umstrukturierung des Einzelwagenladungs-Verkehrs (EWLV) mit dem Ziel, die Auslastung zu steigern und Kosten einzusparen. Diese Maßnahme wird durch den Bund für acht Jahre gefördert, wobei die Preise kostendeckend bleiben sollen. Die SBB will etwa fünfzig Bedienpunkte streichen, bietet jedoch auf Kundenwunsch weiterhin Zugverbindungen an diesen Orten an. Der Güterverkehrsexperte Richard Seebacher aus der Schweiz bewertet diese Pläne kritisch.
Als erfahrener Interimsmanager und Experte hat sich Seebacher im internationalen Bahnsektor etabliert, mit Stationen in Hamburg, Basel sowie leitenden Positionen bei globalen Güterwagenvermietern und Eisenbahnunternehmen. In einem Gespräch mit SRF News äußert er Zweifel an der Nachhaltigkeit des neuen Produktionsmodells: “Die Reduzierung von Bedienpunkten als Kostensenkungsstrategie ist keine neue Idee. Kurzfristige Einsparungen können durch den Verlust an Kundenumsatz kompensiert werden”, sagt Seebacher.
Ab Dezember soll das neue Modell die Kosten im EWLV senken und gleichzeitig die Auslastung erhöhen. Die Umstrukturierung führt zu Arbeitsortwechseln, jedoch nicht zu Kündigungen für rund 200 Mitarbeiter in der Schweiz. Betroffen sind Lok- und Rangierpersonal an verschiedenen Standorten, darunter Brig VS und Chiasso TI.
Die SBB setzt auf neue Planungssoftware zur Optimierung von Kundenanfragen und Kostenreduzierung, was jedoch das Angebot für die Kunden verschlechtern könnte. Seebacher zweifelt, ob ein einzelnes Unternehmen den EWLV flächendeckend kostendeckend betreiben kann. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) unterstützt aus diesem Grund die Nahzustellung finanziell.
Während Großkunden ihre Transporte bereits bündeln können, benötigen kleinere Kunden weiterhin das Angebot der SBB Cargo. Ein Rückgang dieses Angebots könnte den Güterverkehr von der Schiene auf die Straße verlagern. Seebacher schlägt vor, mit regionalen Bahnunternehmen zu kooperieren und ein Geschäftsmodell für regionale Nahzustellung zu entwickeln. Dieses Modell müsste insbesondere in den Anfangsjahren durch Subventionen unterstützt werden.
Das Interview führte Eveline S. Kobler am 19. Mai 2026 um 12:30 Uhr.