Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin anlässlich seines Staatsbesuchs mit militärischen Ehren und einem roten Teppich vor der Grossen Halle des Volkes empfangen. Zu Beginn der Gespräche betonte Xi die lange bestehende gute Nachbarschaft und Freundschaft zwischen den beiden Ländern, insbesondere angesichts einer unruhigen internationalen Lage, die eine Vertiefung ihrer umfassenden strategischen Zusammenarbeit erfordere.
Der Besuch konzentriert sich auf Themen wie bilaterale Beziehungen sowie internationale und regionale Fragen. Es ist geplant, etwa 40 bilaterale Dokumente zu unterzeichnen. Laut SRF-Chinakorrespondent Samuel Emch haben sich die Machthaber bereits rund vierzig Mal getroffen, was auf ein gutes Einvernehmen hinweist. Trotz persönlicher Wertschätzung ist die Beziehung vor allem politisch geprägt; beide Staaten teilen eine gemeinsame Haltung gegenüber dem Westen und sind durch Russlands Aktionen in der Ukraine noch enger zusammengerückt.
Nach einer kleineren Zusammenkunft fanden Gespräche der Delegationen statt. Xi erklärte, die Beziehungen seien in eine neue Phase eingetreten, während Putin die Gespräche als substantiell beschrieb. Der Besuch Putins erhält zusätzliche Aufmerksamkeit durch seine zeitliche Nähe zu Trumps Reise nach China, die kurz zuvor stattfand. Trotzdem wurde der russische Besuch bereits vorher geplant und dient dazu, Peking zu signalisieren: Während man die Beziehungen zu den USA stabilisieren will, bleibt die Partnerschaft mit Russland bestehen.
Die beiden Länder verlängerten zudem ihren seit 25 Jahren gültigen Vertrag über gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit. Putin hob während des Treffens Russlands Rolle als verlässlicher Energielieferant in Krisenzeiten hervor, während China als verantwortungsbewusster Abnehmer fungiere. Er lud Xi zu einem Gegenbesuch im Jahr 2027 nach Russland ein.
Xi äußerte die Notwendigkeit eines umfassenden Waffenstillstands und von Verhandlungen in der Nahost- und Golfregion, um Störungen bei Energieversorgung, Lieferketten und internationalem Handel zu vermeiden. Putin betonte Prioritäten für gemeinsame Großprojekte in Industrie, Landwirtschaft, Transportwesen und Hochtechnologie sowie die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Russland und China als stabilisierender Faktor auf internationaler Ebene.
Xi warnte vor der Gefahr eines Rückfalls zum Recht des Stärkeren angesichts veränderter globaler Verhältnisse. Er unterstützte eine weitere Verlängerung des Zusammenarbeitsvertrags mit Russland und bekräftigte das Bestreben, die strategische Partnerschaft mit Moskau weiter zu festigen.
SRF 4 News, 20.05.2026, 6 Uhr