Die Vorstellung, dass Leerkündigungen im Zürcher Wohnungsmarkt zu einer verbreiteten Erscheinung werden, wird durch aktuelle Forschungsdaten widerlegt. Eine Untersuchung des Instituts Sotomo zeigt auf, wie sich der Wohnraum in den Agglomerationen Genf, Lausanne, Zürich und Basel zwischen 2016 und 2024 entwickelt hat. Finanziert von “Fürschi Züri”, einer Gruppe um die Zürcher Handelskammer, untersuchte Sotomo Bewegungen der Bevölkerung in und aus den Städten sowie deren Konsequenzen.
Im Winter 2024 erregten Leerkündigungen im Zuge des Abrisses von Häusern in Zürich großes Aufsehen. Doch Michael Hermann, Mitautor der Studie, relativiert das Phänomen: In allen vier Agglomerationen waren während der Untersuchung stets ähnliche Anteile der Bevölkerung betroffen. In Zürich lag dieser Wert konstant zwischen 0,3 und 0,7 Prozent, über acht Jahre bei insgesamt 3,8 Prozent.
Obwohl Zürich die höchste Anzahl an Betroffenen aufweist, ist diese oft Folge von Abrissen. In Basel und Lausanne sind es weniger, in Genf am wenigsten – hier erschwert eine strengere Gesetzgebung Leerkündigungen. Viel freies Bauland führt zudem seltener zu Abbrüchen.
Gegen den Glauben an pauschale Verdrängung durch Leerkündigungen zeigen die Daten, dass 72 Prozent der betroffenen Mieter in Zürich im gleichen Quartier oder Gemeinde bleiben. Weitere 17 Prozent verbleiben in der Agglomeration und nur 11 ziehen weiter weg.
Zwar steigt bei einem Umzug nach einer Leerkündigung die Miete um durchschnittlich zwölf Prozent, aber diese bleibt oft noch günstiger als bei regulären Umzügen. Je größer die Distanz des neuen Wohnorts, desto höher der Mietpreisanstieg.
Betroffene ziehen häufig in größere Wohnungen, was den Flächenverbrauch erhöht – besonders ausgeprägt ist dieser bei Umzügen in die Agglomeration. Diese Veränderung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig schlechtere Bedingungen.
Die Analyse der Auslastung von Wohnungen zeigt zudem, dass Kinder und Jugendliche oft überbelegt wohnen, während ältere Menschen häufiger unterbelegt leben. Zürichs Überbelegungsrate liegt im schweizerischen Durchschnitt, während Genf einen signifikanten Locked-in-Effekt aufweist.
Trotz der Diskussion um steigende Mieten und vermehrte Leerkündigungen ist die Umzugsrate in den untersuchten Agglomerationen konstant geblieben. Wer 2016 in Zürich wohnte, lebt heute wahrscheinlich immer noch dort – ein weiteres Indiz, dass sich der Eindruck von ständigen Veränderungen im Wohnungsmarkt nicht bestätigt.