Daniel Gruber, Präsident der FDP Zug, widerspricht der Annahme, dass 40 Prozent seiner Partei die 10-Millionen-Schweiz-Initiative unterstützen. Tatsächlich haben sich bei einer Abstimmung 32 Prozent dagegen entschieden und 11 enthielten sich. Gruber führt das Interesse an dieser Initiative auf den empfundenen Dichtestress zurück. Angesichts der Kritik, dass Einheimische durch Expats verdrängt werden – wobei jährlich etwa 4000 Einwohner Zug verlassen müssen – betont er jedoch, niemanden in seiner Bekanntschaft zu kennen, dem es an Wohnraum fehlte.
Dennoch stellt sich Gruber der Tatsache entgegen, dass viele Expats nicht integrieren und ihre eigene “Bubble” schaffen. Er beschreibt, wie Englisch als dominierende Sprache wahrgenommen wird: “Man hört ja fast nur noch Englisch.” Die Ursachen für die Wohnungsnot sieht er komplexer, denn die Initiative der Stadt Zug, 20 Prozent der Wohnungen bis 2040 erschwinglich zu machen und in Verdichtungszonen auf 40 Prozent anzupassen, schreckt Investoren ab.
Gruber kritisiert die SVP-Initiative zur Begrenzung des Bevölkerungswachstums als Mogelpackung, die das wirtschaftliche Wachstum gefährde. Er plädiert für eine nachhaltige Zuwanderungssteuerung durch Anreize der Wirtschaft, welche langfristig auf Bildung setzen müsse.
Die FDP Zug zeigt sich offen für unterschiedliche Meinungen, was die Unterstützung von 32 Prozent für die SVP-Initiative erklärt. Gruber hält wirtschaftliches und Bevölkerungswachstum nicht für unvereinbar und betont den Erfolg der Standortförderung im Kanton Zug. Obwohl er das Rebellentum seiner Partei in Sachen EU-Verträge lobt, sieht er die FDP vor Herausforderungen bei nationalen Wahlen 2027.
Zug steht dem wirtschaftlichen Erfolgsmodell zugleich skeptisch gegenüber – ein Paradoxon, das Gruber als “fast schon schizophren” bezeichnet. Dennoch ist er optimistisch für die kantonalen Wahlen im Oktober 2026 und prognostiziert knappe Abstimmungensergebnisse: eine Ablehnung der 10-Millionen-Schweiz-Initiative mit etwa 50,5 Prozent Nein-Stimmen sowie ein Scheitern des EU-Pakets bei rund 58 Prozent.