In Schweizer Gefängnissen, einschließlich Luzern und Zug, müssen Inhaftierte oft hohe Gebühren für Telefongespräche mit dem Äusseren zahlen. Diese Praxis kann zu einer erheblichen finanziellen Belastung führen, wie ein Experte warnt.
Im Kanton Zug beispielsweise können die Kosten für Telefonate in der Justizvollzugsanstalt Bostadel schnell anwachsen. Neben den Minutenpreisen muss teilweise zusätzlich eine Verbindungsgebühr von 50 Rappen entrichtet werden, was bei einem Gespräch von 30 Minuten zu mehreren Franken führt. Eine Recherche durch «Watson» hat dies aufgedeckt.
Ein Häftling gibt monatlich etwa zwischen 200 und 400 Franken für Telefonate aus, während sein Einkommen gerade einmal rund 400 Franken beträgt. Dies bedeutet, dass ein großer Teil des verfügbaren Geldes für den Kontakt zur Familie ausgegeben wird, was oft zu Entscheidungen führt, wen man anrufen kann. Die Bedeutung dieser Anrufe ist groß, da sie oft die einzige Möglichkeit zum Austausch mit der Welt draußen darstellen.
Auch im Luzerner Gefängnis Wauwilermoos berichten Insassen von hohen Telefonkosten, die monatlich zwischen 150 und 200 Franken liegen. Da das Budget sehr begrenzt ist, führt dies zu zusätzlichem Druck. Häufig sind Inhaftierte auf finanzielle Unterstützung von außen angewiesen, um regelmäßig mit Angehörigen in Kontakt zu bleiben.
Ein Strafrechtsprofessor weist darauf hin, dass die Kosten für Telefonate stark variieren und oft zwischen 22 und 30 Rappen pro Minute liegen. Zusatzgebühren sind nicht selten. Ein Problem ist das Fehlen von Regulierungen: Private Anbieter bestimmen meist über die Preise, während Kantone und Gefängnisse nur begrenzt eingreifen können. Luzern ist einer der wenigen Kantone mit Mitspracherecht bei den Tarifen.
Der Kontakt zur Außenwelt wird als entscheidend für die Resozialisierung nach dem Aufenthalt im Gefängnis angesehen. Hohe Kosten erschweren diesen Austausch jedoch erheblich. Der Strafrechtsprofessor der Universität Bern warnt, dass eingeschränkte Kontakte die Rückfallgefahr erhöhen könnten. Er betont, dass es zwar richtig sei, dass Insassen für Telekommunikation zahlen müssen, doch sollten die Gebühren nicht so hoch sein, da dies auch die Allgemeinheit belasten kann, wenn eine erfolgreiche Resozialisierung gefährdet ist.