Bruno Cathomas ist dem Schweizer Publikum als Tatort-Kommissar bekannt. Im SRF-«Club» erörterte der Schauspieler seine seit drei Jahrzehnten geführte offene Beziehung und thematisierte, wie sein Lebensentwurf mit seiner konservativen Erziehung im Bündner Oberland kontrastiert. Cathomas, der in Wien wohnt, beschreibt seine Jugend als geprägt von traditionellen Werten eines katholischen Milieus, die er erst später überwand.
Bruno Cathomas, ein etablierter Theater- und Filmschauspieler, erzählte im Gespräch mit SRF, dass er in seiner Generation eine der ersten war, die gleichzeitig zwei Partnerinnen leben konnten, ohne moralische Bedenken zu hegen. Er wuchs in einem katholischen Umfeld auf, wo das Ideal einer monogamen Partnerschaft vorgelebt wurde, obwohl oft hinter dem Rücken gebrochen wurde.
Die Entdeckung seiner Bisexualität erfolgte während der Schauspielschule und erforderte schließlich eine Entscheidung zwischen seiner damaligen Freundin und seinen neuen Erkenntnissen. Cathomas betonte die Bedeutung einer Partnerin oder eines Partners, der seine Bisexualität akzeptiert, um nicht einen Teil von sich zu verleugnen.
Er reflektierte über den rebellischen Aspekt seines Lebensentwurfs gegenüber dem konservativen Bündner Oberland: Sich als Mann aus dieser Region offen über Sexualität zu äußern war ein Tabubruch. Diese Offenheit sieht er als zentral für sein persönliches Wachstum an.
Eine offene Beziehung bedeute jedoch nicht, dass alles sofort und vollständig kommuniziert werde; dies sei eine Herausforderung, die im Laufe von 30 Jahren Beziehung gelernt wurde. Ein Beispiel: Im Jahr 1997 erlebte er in Wien zwei aufeinanderfolgende nächtliche Abenteuer – mit einem Mann und einer Frau, was zu einer humorvollen Auseinandersetzung über die Grenzen der Offenheit führte.
Cathomas betonte auch, dass Verfügbarkeit in seiner Beziehung nicht vorausgesetzt wird. Er sieht es als notwendig an, zunächst bei sich selbst zu sein, bevor man emotional zur Verfügung steht. Die Abwesenheit des Partners erfordert Reife und die Fähigkeit, eigenständig weiterzuleben.
Das Gespräch mit Peter Düggeli im «Club» am 14. April 2026 um 22:25 Uhr zeichnete ein Bild von Bruno Cathomas als einen Mann, der trotz seiner konservativen Erziehung eine selbstbestimmte Lebensweise gefunden hat.