Die einstige Prominenz führender Klimaaktivisten ist verblasst. Nicht einmal eine Ehrung durch den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama kann dies ändern.
Jede politische Bewegung hat ihre Vorbilder, die deren Ideale verkörpern und nach aussen tragen. Die 68er-Bewegung hatte Rudi Dutschke, während die Friedensbewegung Petra Kelly als charismatische Pazifistin verehrte. Für die Klimabewegung standen Namen wie Greta Thunberg, Luisa Neubauer und Carla Reemtsma stellvertretend.
Diese Zeit ist jedoch vorüber. Die Leuchtkraft dieser Ikonen hat sich ebenso verdunkelt wie das Schicksal der Bewegung selbst. Einst mobilisierte «Fridays for Future» in Deutschland über eine Million Menschen, doch die Teilnehmerzahlen sind drastisch gesunken.
Die jüngste Ehrung Luisa Neubauers durch Barack Obama am “Tag der Erde” konnte an diesem Trend nichts ändern. Es war nur ein kurzes Aufleuchten ohne nachhaltigen Einfluss.
Haben Thunberg und ihre Mitstreiter gescheitert, weil sie unrealistische Ansprüche stellten? Hat die öffentliche Aufmerksamkeit sie beeinflusst oder sich selbst widersprochen?
Es stimmt, dass viele Aktivisten umweltschädliche Reisen unternahmen und gleichzeitig auf Verzicht pochten. Thunberg wird von Antisemiten vereinnahmt, doch das ist nicht der Hauptgrund für ihr abnehmendes Ansehen. Vielmehr liegt die Verantwortung auch bei ihren Bewunderern. Der Niedergang der Klima-Ikonen reflektiert vielmehr ein Scheitern einer klimabewegten Gesellschaft.
Thunberg und Neubauer verkörperten Projektionen, ähnlich wie Dutschke oder Kelly früher. Sie repräsentierten das Idealbild der westlichen alternden Gesellschaften, die ihre Schuldgefühle an sie abgaben, während sie selbst ihren Wohlstand kritisierten.
Dass viele aus wohlhabenden Familien stammen, widerspricht diesem Bild nicht; es unterstreicht vielmehr den Wunsch nach Erzieherinnen aus gutem Haus. Anhänger suchten keine Revolution von unten, sondern eine sanfte Ermahnung ihrer eigenen Eltern.
Für effektiven Klimaschutz sind jedoch Kompetenz statt Prominenz und technische Expertise statt moralischer Überlegenheit gefragt. Es geht um die Planung von Energiesystemen, die Analyse wirtschaftlicher Auswirkungen und strategische Entscheidungen für den Umstieg auf erneuerbare Energien.
Diese Themen mögen trocken sein, sind aber entscheidend dafür, ob Klimaschutz breite Unterstützung findet. Wenn dieser als Bedrohung des Wohlstandes wahrgenommen wird, wählen die Menschen schnell Parteien, die ihn lockern wollen.
Viele Bürger wollten sich nicht mit solchen Details auseinandersetzen und favorisierten stattdessen symbolische Figuren statt Fachleute. Diese Illusion eines schmerzlosen Klimaschutzes ist nun zerplatzt, und es beginnen schwierige Debatten über die Zukunft der Umweltpolitik.
Im Jahr 2020 bot Joe Kaeser von Siemens Neubauer einen Aufsichtsratssitz an. Angesichts wirtschaftlicher Krisen erwägt er jetzt sogar eine Minderheitsregierung und das Ende fester Regeln – ein Zeichen für das Ende eines kollektiven Selbstbetrugs.