Im Gespräch mit Olivia Röllin reflektiert Alexander Gerst, wie seine Erfahrungen im Weltraum sein Weltbild verändert haben. Als Geophysiker, Vulkanologe und Astronaut begann er seine Reise bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), wo er 2008 aus 8413 Bewerbern ausgewählt wurde. Seit 2010 ist Gerst Teil des Astronautenteams und verbrachte insgesamt 362 Tage auf der Internationalen Raumstation ISS.
SRF fragt nach dem Interesse an einem Rückkehr zur Mondforschung: “Ganz einfach, weil er da ist”, antwortet Gerst. Er betont die Bedeutung, den umgebenden Kosmos zu verstehen, da Menschen ein «Inselvolk» seien. Diese Notwendigkeit leitet sich auch aus der Existenz von potenziell gefährlichen Gesteinsbrocken ab. Obwohl noch nicht auf dem Mond gewesen, wird er für die geplante Mission “Artemis IV” im Jahr 2028 gehandelt.
Auf die Frage nach seinem ersten Blick auf die Erde aus dem All sagt Gerst: “Ich sagte zu meinen Kollegen: ‚Sie ist tatsächlich rund.’” Obwohl er den Durchmesser der Erde kannte, machte dieser Augenblick ihn mit der Realität vertraut. Dieses Erlebnis unterschied Wissen von Erfahrung und unterstrich die Fragilität unseres Planeten.
Der sogenannte “Overview Effect” beeinflusste Gerst nachhaltig: “Es hat mir Prioritäten verschoben”, erzählt er. Er fühlte sich verantwortlich, über seine Erkenntnisse zu kommunizieren und die Welt auf das Wohl der Erde hinzuweisen.
Gerst spricht auch über schockierende Sichtungen wie bewegliche Lichter im Nahen Osten – ein Hinweis auf Kriege. Das Sehen von zerstörten Wäldern, etwa des Amazonas, verstärkte sein Bewusstsein für die Schutzbedürftigkeit der Erde.
Zum Thema Ausweitung der menschlichen Zivilisation zitiert er John Young: “Wenn wir in 10.000 Jahren noch existieren und nicht selbst zerstört haben, wird diese Zeit entscheidend sein.” Gerst ist überzeugt: Menschen werden vom Mond zum Mars aufbrechen und eines Tages auch andere Planeten besiedeln.
Das Interview wurde von Olivia Röllin geführt und basiert auf einer stark gekürzten Version der Diskussion in der SRF-Sendung “Sternstunde Philosophie” am 26.04.2026 um 11:00 Uhr.