Ein Untersuchungsbericht offenbart schwerwiegende Missstände in der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ) während der Jahre 2016 bis 2020. Laut dem Bericht war die Sterblichkeit von Patienten, die sich einer Herzoperation unterzogen hatten, ungewöhnlich hoch und lag um 68 bis 74 Todesfälle über dem Durchschnitt anderer Universitätsspitäler bei insgesamt 4500 Operationen.
Es wird vermutet, dass zwischen 150 und 200 dieser Todesfälle hätten vermieden werden können. Die Vorwürfe richten sich gegen die Anwendung eines von Francesco Maisano entwickelten Cardiobands, mangelhafte Aufklärung der Patienten und eine mögliche Priorisierung technologischer sowie studienbasierter Interessen.
Ein Whistleblower aus dem ärztlichen Personal alarmierte die Behörden und Medien über diese Unregelmäßigkeiten. Die darauffolgende öffentliche Debatte führte zu erheblichen Spannungen innerhalb der Klinik, wobei Francesco Maisano schließlich von seiner Position zurücktrat. Auch der Whistleblower verließ das Spital.
Unter dem Druck der Medien und Politik kündigte das USZ die Einrichtung einer unabhängigen Task Force unter der Leitung des ehemaligen Bundesrichters Niklaus Oberholzer an, um die Todesfälle im Zeitraum von 2015 bis 2021 zu untersuchen. Kritiker bemängeln jedoch, dass das USZ sowohl Auftraggeber als auch Financier dieser Untersuchung ist.
Im Jahr 2024 wurde das Cardioband seine europäische Zulassung entzogen und nicht mehr verwendet. Medienberichte enthüllen zudem weitere problematische Aspekte wie Interessenskonflikte und internationale Verflechtungen. In der Amtszeit von Maisano wurden über 300 Todesfälle genauer analysiert, wobei 75 als chirurgisch problematisch identifiziert wurden, sowie 64 “eher nicht zu erwartende” und elf “nicht zu erwartende” Todesfälle.
In dreizehn Fällen wurde das Cardioband unangemessen eingesetzt. Diese besonders auffälligen Vorfälle wurden der Staatsanwaltschaft gemeldet, um mögliche strafrechtliche Verfehlungen zu prüfen. Der Bericht macht mehrere Ursachen für die Missstände aus: die überstürzte Ernennung Maisanos zum Klinikchef ohne gründliche Prüfung seiner Qualifikationen und Interessenkonflikte, sowie ein versäumtes Aufsichtshandeln der damaligen Spitalleitung.
André Zemp, der Präsident des Spitalrats, zeigte sich tief betroffen: “Das Führungsversagen ist nicht akzeptabel. Wir bitten die Betroffenen und ihre Angehörigen um Entschuldigung.” Er kündigte an, eine spezielle Beratungsstelle für die Geschädigten einzurichten.
Drei Mitglieder des Spitalrats traten zurück, um den Weg für einen personellen Neuanfang zu ebnen. Unter neuer Leitung hat sich die Herzchirurgie qualitativ stark verbessert und die Sterblichkeitsrate normalisiert. Zukünftig sollen Register für Interessensbindungen und ein Meldesystem für Missstände solche Vorfälle verhindern.