Für Annemarie Wildeisen bedeutet Kochen mehr als die bloße Zubereitung von Gerichten; es ist eine verbindende Aktivität: «Ich sitze gerne am Tisch und habe Freude daran, Menschen beim Genuss zuzusehen. Das macht mir sehr viel Freude.» Eine besonders prägende Begegnung hatte Wildeisen im Supermarkt: Ein älterer Herr bedankte sich bei ihr mit den Worten: «Sie haben mein Leben gerettet». Bis zum Tod seiner Frau habe er nie gekocht, berichtete der Mann weiter. Als seine Frau ihm empfahl, sich an ihre Rezepte zu halten, entdeckte er die Freude am Kochen – eine Geschichte, die Wildeisen als Höhepunkt ihrer Karriere bezeichnet.
Das Kochen hat sich über die Jahre gewandelt, erklärt Wildeisen. Es ist heute unkomplizierter geworden. Früher waren opulente Menüs mit sechs oder sieben Gängen Standard, doch der Trend zu einfacheren Gerichten hält an, ohne den Genuss zu vernachlässigen.
Rosenkohl und Kefen mochte Wildeisen lange nicht. Heute schätzt sie beide, wenn sie gut zubereitet sind. Rosenkohlblätter entfernt sie sorgfältig, da dies sehr zeitaufwendig ist: «Das dauert ausgesprochen lang», sagt sie, aber die Kochzeit verkürze sich dadurch auf drei bis vier Minuten – und das sei für sie eines der besten Gerichte.
Bei Kefen kommt es ebenfalls auf die Zubereitung an. Ihre Mutter habe sie weich gekocht, was sie hasste, wenn sie fädig wurden: «Das war wie Gift», erinnert sich Wildeisen aus dem Aargau.
Zu Hause kocht Wildeisen Risoni mit Gemüse, eine reisförmige Pasta. Die Risoni werden in sieben bis acht Minuten fertig, währenddessen bereitet sie das Gemüse vor. Alles wird vermengt, Rahm hinzugefügt und Käse darüber gestreut – «das ist für mich einfach eine der besten Mahlzeiten», sagt sie.
Wildeisen beschreibt sich als geduldigen Menschen und hat den Anspruch auf Perfektion längst abgelegt. Spätestens beim Ausgleich zwischen Beruf und Familie ließ sie solche Forderungen hinter sich: «Ich kümmere mich nicht mehr darum, was die Leute sagen, wenn etwas einfach schmeckt», fügt sie hinzu.
Radio SRF 1, 25.4.2026, 17:45 Uhr