Mit Memes, KI-generierten Videos und Popkultur-Elementen wird der Iran-Konflikt zu einer Online-Sensation. Diese Inhalte erreichen global ein breites Publikum und verzerren die Wahrnehmung des Konflikts. Ein Video beginnt mit einem angeblichen Sechziger-Jahre-Hit der Beach Boys, doch statt “Barbara Ann” wird es zu “Bomb Iran”. Kampfflugzeuge erscheinen auf dem Bildschirm und ein Tarnkappenbomber entlässt Bomben. Der Clip endet mit der Botschaft: “Sag dem Ayatollah: Ich werde dich einsperren. Zeit, den Iran in eine Baustelle zu verwandeln.” Donald Trump veröffentlichte diesen Post auf seinem Truth-Social-Account im vergangenen Sommer und setzte damit die Tonalität des Medienschlachtens mit Iran. Heute produzieren offizielle US-Regierungskanäle solche Inhalte gezielt. Ein Team von rund einem Dutzend Social-Media-Spezialisten, alle in ihren Zwanzigern, arbeitet im sogenannten “Department of Offense” an der Strategie. Vize-Kommunikationschef Kaelan Dorr betont die Bedeutung kontroverser Posts zur Reichweitenerhöhung. Seit Beginn des Konflikts kursieren fast täglich neue Videos und Memes, die militärische Aktionen mit Spielszenen oder Sportereignissen vermischen. Das US-Weiße Haus veröffentlichte in den ersten sechs Kriegswochen über 140 Tiktok-, X- und Truth Social-Videos zum Iran-Konflikt, welche zusammen über 400 Millionen Aufrufe erzielten. Das populärste Video trägt den Titel “Gerechtigkeit nach amerikanischer Art”. Es mischt Aufnahmen von US-Angriffen mit Szenen aus Blockbustern wie “Top Gun”, um militärische Überlegenheit und Freiheitskampf zu propagieren. Edda Humprecht, Expertin für Desinformation, erklärt: Propaganda dient dazu, den Gegner zu delegitimieren und eigene Werte zu stärken. Dank KI können solche Inhalte schnell produziert werden. Hollywood- und Cartoon-Vorlagen unterstützen diese Strategie. Iran antwortet mit eigenen Videos, in denen Donald Trump als orangenes Schwein dargestellt wird. Diese Clips nutzen Lego-Figuren und Rap-Songs, um die US-Politik zu kritisieren. Iran inszeniert sich dabei als Beschützer der Unterdrückten, während Trumps “Epstein-Regime” verspottet wird. Lego-Videos sind bereits Teil anti-westlicher Propaganda, wie China während der Corona-Pandemie und Russland in Wahlkämpfen zeigten. Ein iranisches Team namens “Explosive Media”, bestehend aus jungen Iranern, veröffentlichte über 150 Videos nach neuen Ereignissen und erreicht Milliardenaufrufe auf X. Amerikanische Plattformen löschen regelmäßig solche Profile wegen Gewaltverherrlichung, doch neue tauchen schnell wieder auf. Nach der Waffenruhe am 8. April sind mehr Lego-Videos als US-Inhalte online verfügbar. Donald Trump kritisiert diese iranische Kriegspropaganda und warnt vor ihrer manipulativen Kraft. Kommunikationsexpertin Humprecht betont, dass solche Inhalte oft nur diejenigen erreichen, die bereits überzeugt sind. Dennoch prägen sie das kollektive Bild des Konflikts erheblich.