In Bellinzona begann am Montag der umfangreichste Geldwäscheprozess der Schweiz, doch bereits am Dienstag wurde das Verfahren mangels Anklage gegen Gulnara Karimowa eingestellt. Die Tochter des ehemaligen usbekischen Präsidenten ist in Usbekistan inhaftiert und nicht anwesend, da die Straftaten bis 2028 verjähren würden.
Gulnara Karimowas Fall spiegelt den Aufstieg und Fall einer einflussreichen Persönlichkeit wider. Als Tochter von Islam Karimow, der Usbekistan autoritär regierte, galt sie als potenzielle Nachfolgerin. Sie war eine vielseitige Figur: Designerin, Sängerin und Uno-Diplomatin.
Im März 2007 führte ihr Einfluss dazu, dass selbst hochrangige russische Politiker zu ihren Veranstaltungen kamen. Doch im Februar 2014 geriet sie in Hausarrest ohne Haftbefehl, wie später von der Uno bestätigt wurde. Sie berichtete von Misshandlungen und psychischem Druck.
Mehrere Verurteilungen folgten: Freiheitsbeschränkung, Gefängnisstrafen wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung und Geldwäsche. 2020 bot sie in einem Brief an Präsident Mirsijojew die Zahlung von 686 Millionen Dollar an Schweizer Konten an, um ihre Freiheit zu erkaufen.
Das Verfahren gegen die Privatbank Lombard Odier geht weiter; ihr wird vorgeworfen, nicht genügend gegen Karimowas korrupte Geschäfte vorgegangen zu sein. 2012 deckten schwedische Journalisten auf, dass Teliasonera Karimowa 300 Millionen Euro zukommen ließ.
Im Jahr 2014 wurde sie von usbekischen Geheimdiensten an ihren Vater ausgeliefert. Nach ihrer Haftentlassung im Januar 2025 verbüßt sie ihre Strafe in einer Siedlung nahe Taschkent.
In der Schweiz betrifft Karimowas Fall eine Geldsumme von 800 Millionen Franken. Davon wurden 700 Millionen eingezogen, und 2018 entschied der Bundesrat zur Rückgabe an Usbekistan über einen Uno-Fonds.
Ein Jahr zuvor fanden in Usbekistan Einvernahmen statt, bei denen usbekische und Schweizer Richter und Verteidiger beteiligt waren. So blieb Karimowa lediglich eine statistische Erwähnung in der Schweizer Kriminalstatistik.