Die USA könnten mit Iran einen Deal eingehen, der die geopolitische Landschaft des Nahen Ostens nachhaltig verändern würde. Diese Vereinbarung droht, die Sicherheitsinteressen Israels und der Golfstaaten zu ignorieren. Seit den Kriegen im Irak und in Afghanistan hat sich das Engagement der USA im Nahen Osten stark verringert, was neue strategische Risiken mit sich bringt.
Donald Trump, bekannt als «Dealmaker», könnte ein solches Abkommen anstreben, um kurzfristige Stabilität zu schaffen. Langfristig jedoch könnte dies eine tiefgreifende Veränderung der Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens nach sich ziehen. Für Trump zählt die symbolische Kraft eines Deals: ein politischer Erfolg, der innenpolitisch nutzbar ist, amerikanischen Soldaten den Einsatz erspart und die Ölpreise stabilisiert.
Ein Deal mit Teheran könnte in dieses Muster passen. Dennoch sind alle Varianten des Abkommens problematisch, da sie die Sicherheitsinteressen Israels und der Golfstaaten außer Acht lassen könnten. Für Israel stellt das iranische Atomprogramm eine existenzielle Bedrohung dar. Es ist nicht nur die Frage der Geschwindigkeit, mit der Iran eine Bombe bauen könnte; entscheidend sind auch Urananreicherung, ballistische Raketen und ideologische Feindseligkeiten.
In Jerusalem herrscht die Überzeugung, dass ein schlechtes Abkommen gefährlicher sein könnte als gar keines. Ein Deal, der Iran wirtschaftlich stärkt ohne seine nuklearen Fähigkeiten dauerhaft einzuschränken, würde Zeit für Teheran kaufen – und dies war auch schon die Kritik am Obama-Abkommen von 2015.
Die Angst Israels liegt nicht nur in einem unmittelbaren Atomschlag. Besorgnis erregend wäre eine Veränderung des regionalen Kräftegleichgewichts, sollte Iran an der Schwelle zur nuklearen Bewaffnung bleiben. Teheran könnte aggressiver werden und seine Milizen könnten offensiver auftreten. Israel müsste ständig überlegen, ob iranische Unterstützung hinter regionalen Provokationen steckt.
Ein weiterer psychologischer Faktor ist das Vertrauen in die USA. Israels Sicherheit basiert auf militärischer Eigenständigkeit und der strategischen Allianz mit Washington. Sollte Israel den Eindruck gewinnen, dass die USA iranische Militärfähigkeiten tolerieren, könnte dies zu einem unabhängigen Vorgehen führen.
Auch die Golfstaaten betrachten ein amerikanisch-iranisches Arrangement mit großer Nervosität. Trotz pragmatischerer Kontakte zu Teheran, bleibt das Vertrauen aufgrund früherer Angriffe gering. Ihre Infrastruktur ist anfällig für iranische Angriffe und basiert bisher stark auf der Annahme eines amerikanischen militärischen Eingreifens im Ernstfall.
Diese Unsicherheit könnte tiefgreifende Folgen haben: Die Staaten könnten ihre Sicherheitsstrategien neu bewerten, sich mit anderen Mächten wie China arrangieren oder aufrüsten. Saudiarabien hat bereits angekündigt, dass es eigene nukleare Optionen in Betracht ziehen könnte, wenn Iran über Atomwaffen verfügt.
Eine neue Dynamik im Nahen Osten wäre die Folge, geprägt von nuklearen Ambitionen ohne stabile Abschreckungsmechanismen. Die paradoxe Gefahr eines solchen Deals liegt darin, dass er kurzfristig Spannungen reduzieren könnte, aber langfristig regionale Instabilität fördern würde.
Ein Deal, der iranische Machtansprüche nicht begrenzt und Israels sowie die Golfstaaten nicht einbindet, droht Konflikte zu verschieben, die später heftiger zurückkehren könnten. Ein solcher Deal würde strategische Unsicherheit erzeugen und eine neue Ära der Instabilität im Nahen Osten einläuten.