Corine Mauch, die scheidende Stadtpräsidentin von Zürich, hinterlässt ihrem Nachfolger Raphael Golta ein belastetes Erbe in der Zusammenarbeit mit den Quartiervereinen. Diese Vereine repräsentieren mehr als ein Viertel der städtischen Bevölkerung und haben sich nun offiziell von der Stadt abgewandt. Unter anderem die drei großen Vereine aus Altstetten, Wiedikon und Wipkingen lehnen die bisherigen Subventionsvereinbarungen ab, was das Verhältnis weiter belastet.
Die Auseinandersetzung entzündete sich an der Stadtinitiative, mit jedem der 25 Quartiervereine individuelle Subventionsverträge zu schließen. Diese Vereinbarungen sahen finanzielle Unterstützung von wenigen tausend bis 20.000 Franken pro Jahr vor, um die ehrenamtliche Arbeit zu fördern. Die Stadt rechtfertigte diese Vorgaben mit rechtlichen Notwendigkeiten und einem Vorfall im Quartierverein Witikon, der jedoch nicht den städtischen Haushalt betraf.
Die Vereine kritisierten das Vorgehen als Versuch der Bevormundung. Sie empfanden die Auflagen als Einschränkungen ihrer Unabhängigkeit und Autonomie. Insbesondere die Verpflichtung, Konflikte an die Stadt zu melden, stieß auf Widerstand. Beni Weder, Präsident des Quartiervereins Wipkingen, betont: «Wir sind das einzige Sprachrohr für die Bürger bei Problemen mit der Stadtverwaltung. Unsere Unabhängigkeit ist wichtiger als finanzielle Unterstützung.»
Obwohl einige Vorgaben im Parlament gestrichen wurden, wie etwa die Verpflichtung zu einer professionellen Finanzrevision, blieben kommunikationsbezogene Auflagen bestehen und führten zum Bruch mit der Stadt. Dieses Spannungsverhältnis resultiert aus jahrelangen Versuchen der Stadt, Quartierstrukturen stärker zu regulieren.
Die Verwaltung hat wiederholt versucht, Parallelstrukturen wie die Plattform «Mein Quartier» oder sogenannte Quartierkoordinatoren einzuführen, was jedoch an mangelnder Akzeptanz scheiterte. Christoph Ramseier von Altstetten sieht in der aktuellen Situation den neuesten Versuch, Kontrolle auszuüben und kritisiert: «Das Ziel ist offensichtlich, die Vereine politisch zu beeinflussen.»
Die Quartiervereine haben sich erfolgreich gegen städtische Entscheidungen wie die Entfernung eines Fussgängerstreifens oder die schlechte Platzierung eines Recyclinghofs eingesetzt und warnen davor, dass ihre Handlungsfreiheit durch finanzielle Druckmittel eingeschränkt werden könnte. Urs Rauber, Präsident des Quartiervereins Wiedikon, merkt an: Die Unterschrift der meisten Vereine auf die Subventionsvereinbarung sei vor allem aus wirtschaftlicher Notwendigkeit erfolgt.
Die Auswirkungen des Streits spiegeln sich in den finanziellen Entscheidungen wider. In Wiedikon erhöht man die Mitgliedsbeiträge, während Altstetten und Wipkingen auf ihre Vermögensreserven setzen. Weder betont: «Unser Verein existiert schon seit 1859 und wird auch ohne städtische Unterstützung weiterbestehen.
Die Stadt hält an ihrer Position fest und verweigert die Auszahlung ausstehender Beträge, solange keine Unterzeichnung der Subventionsvereinbarungen erfolgt. Weder sieht jedoch in der Ablehnung durch die großen Vereine eine Chance für Nachverhandlungen und appelliert an Golta: «Vielleicht wird er das Geschäft mit neuen Augen betrachten. Falls nicht – that’s it.”