Der Kanton Schaffhausen hat sich in den letzten Jahren deutlich besser entwickelt als Zürich, wie ein Bericht der Zürcher Kantonalbank aufzeigt. Obwohl Zürich wirtschaftliches Herzland der Schweiz ist und jeder fünfte Franken des nationalen Bruttoinlandsprodukts hier erwirtschaftet wird, weist es beim Wachstum Schwächen auf.
Während im Finanzsektor oder im öffentlichen Dienst in Zürich hohe Löhne gezahlt werden – der Medianlohn betrug 2022 rund 7200 Franken, was einem Plus von 6 Prozent zum Schweizer Durchschnitt entspricht und um 30 Prozent über dem niedrigsten Kanton Tessin liegt – fällt das Wachstum hinter den nationalen Durchschnitt zurück. Zwischen 2008 und 2022 lag die jährliche Zuwachsrate in Zürich bei lediglich 1,3 Prozent gegenüber einem schweizweiten Plus von 1,7 Prozent.
Schaffhausen ist mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von fast 4 Prozent Spitzenreiter. Besonders eklatant war die Diskrepanz in den Jahren 2021/22: Zürich verzeichnete ein Plus von nur 0,1 Prozent, während Schaffhausen um nahezu 13 Prozent zulegte. Auch in anderen Perioden wie 2018/19 stach das Wachstum von Schaffhausen hervor (+3,3 Prozent), im Gegensatz zu einem Rückgang der Zürcher Wirtschaft um 0,6 Prozent.
Laut ZKB ist dies strukturell bedingt: Im Kanton dominiert der Dienstleistungssektor, dessen Wachstumsraten tendenziell niedriger sind als im Industriesektor. Dies spiegelt sich auch in einer geringeren Steigerung der Arbeitsproduktivität wider. Da rund 85 Prozent des Zürcher BIP auf den Dienstleistungsbereich entfallen und nur 15 Prozent auf Industrie und Staat, ist die Effizienzsteigerung im Vergleich zum kapitalintensiven Industriesektor schwieriger.
Ein Vorteil des Fokus auf Dienstleistungen ist jedoch, dass Zürich weniger von globalen wirtschaftlichen Krisen betroffen ist. So war der Kanton während des Iran-Konflikts weniger exponiert als andere Regionen mit größerer Industrie- und Exportabhängigkeit.
Ein weiterer bedeutender Faktor für die Wirtschaft in Zürich ist die Anwesenheit der FIFA, deren Sitz sich hier befindet. Bei Weltmeisterschaften erzielt die FIFA hohe Einkünfte durch Verkauf von Übertragungsrechten und Markennutzungen. Dies führt laut ZKB zu temporären Wachstumsspitzen im BIP um etwa 0,7 bis 1 Prozent bei WM-Jahren.
Für das Jahr 2026 prognostiziert die ZKB ein BIP-Wachstum in Zürich von 1,9 Prozent, was durch die bevorstehende Weltmeisterschaft begünstigt wird. Im darauf folgenden Jahr wird ein Wachstum von 1,1 Prozent erwartet.