Nutztiere spielen eine wesentliche Rolle in der Landwirtschaft, auch im biologischen Anbau. Jürn Sanders, Geschäftsleitungs-Vorsitzender des Forschungsinstituts für biologischen Landbau Fibl, betonte dies bei einem internationalen Treffen in Frick. “Tiere sind als Nährstofflieferanten unerlässlich, um nachhaltige Fruchtfolgen zu ermöglichen”, so Sanders. Die Diskussion dreht sich jedoch darum, wie viel Tierhaltung erforderlich ist.
Laut Sanders überschreitet die aktuelle Tierhaltung in der Schweiz sowohl aus Ernährungs- als auch Umweltsicht das sinnvolle Maß. Hoher Stickstoffgehalt und sinkende Biodiversität sind Folgen. Der Schweizer Bauernverband sieht dies anders: Die Produktion richtet sich nach dem Markt, erklärte Martin Rufer, Direktor des Verbands. Somit lässt sich die Frage nach der angemessenen Tierhaltung aus mehreren Perspektiven betrachten.
Ein Indikator für das sinnvolle Maß an Tierhaltung könnte die Graslandfläche sein, für deren Nutzung Rindvieh erforderlich ist. Doch werden Nutztiere auch mit Kraftfutter, das importiert oder auf Ackerflächen angebaut wird, gefüttert. Eine Studie des Fibl und der ETH zeigt: Ohne Kraftfutter müssten Rinderbestände um über 20 Prozent reduziert und Schweine- sowie Hühnerbestände sogar um mehr als 80 Prozent gesenkt werden.
Die Ernährungsempfehlungen bieten ebenfalls Hinweise. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfiehlt wöchentlich 200 bis 360 Gramm Fleisch, während der durchschnittliche Verbrauch bei einem Kilogramm pro Woche liegt.
Laut Pro Viande zeigt sich im Fleischmarkt ein Rückgang des Schweinefleischverkaufs und eine Zunahme beim Geflügel. Das Fleischangebot stieg 2025 um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr an.
Die Nachfrage spielt in der Landwirtschaft eine zentrale Rolle: “60 Prozent der Einnahmen entstehen durch die Tierhaltung”, so Rufer vom Bauernverband. Ackerkulturen sind oft nicht rentabel und daher weniger attraktiv.