Nach zwanzig Jahren in der Spitze der Gewerkschaftsökonomie zieht sich Daniel Lampart zurück, allerdings nicht ins Staatsdienst. In Bundesbern sind seine einflussreiche Position als Chefdenker und strategischer Rückraumakteur weniger offensichtlich, aber dennoch bedeutend. Bekannt für seine ruhige Art bei der Aussprache radikaler Forderungen und seinen modischen Stil, wurde er vom Gewerkschaftspräsidenten Pierre-Yves Maillard als ‚chien de troupeau‘ beschrieben. Seine Gegner bestätigen sowohl seine Intelligenz als auch seine Hartnäckigkeit und bezeichnen ihn als klugen Kopf und Heimlifeiss, der aus umfangreichen Datenanalysen schöpft.
Mit 57 Jahren tritt Lampart zurück, bevor ihm eine Sesselkleber-Karriere droht. Seine Nachfolge tritt Gabriela Medici an, die bisherige Co-Leiterin des Zentralsekretariats. Trotz der Fokussierung auf materielle Belange wie Löhne und Renten genießt der Gewerkschaftsbund im linken politischen Spektrum beachtlichen Einfluss. Zu Lamparts größten Erfolgen zählen die Initiative für eine 13. AHV-Rente im März 2024 und der Sieg gegen die Reform der beruflichen Vorsorge.
Im ‚Blick‘-Interview spricht er über seine Zeit und betont, dass trotz der Herausforderungen viele Erfolge möglich waren. Sein langjähriger Antipode Roland A. Müller vom Arbeitgeberverband beschreibt ihn als konstruktiven Gesprächspartner, mit dem Lösungen für beide Seiten gefunden werden konnten.
Der Journalist des ‚Blick‘ spekuliert, dass die Wirtschaftsverbände erleichtert sein dürften – doch Lampart wird neuer Präsident des PK-Netzes, um dort gewerkschaftliche Interessen stärker zu vertreten. Er bleibt weiterhin finanziell vom Gewerkschaftsbund abhängig und verfolgt eine Strategie zur Intensivierung der Gewerkschaftsarbeit in Pensionskassen.
Obwohl er Angebote hatte, hohe Ämter im Bundesdienst zu übernehmen, entschied sich Lampart für diese neue, selbstgestaltete Rolle. Aufgewachsen in einer katholisch-konservativen Familie der Innerschweiz, beschreibt er sich als jemanden, der früh links eingestellt war, aber die Freiheit hochhält und Gewerkschaften als ‚urliberale Institutionen‘ sieht. Seine Identität bleibt gewerkschaftlich geprägt – eine Organisation, die er für effektiver hält als staatliche Intervention.