In der Schweiz zeigen rund 30’000 Kinder und Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren Anzeichen einer problematischen Nutzung von Social Media, was etwa sieben Prozent dieser Altersgruppe entspricht. Eine Studie aus dem Jahr 2022, die Gesundheitsverhalten in über 40 Ländern untersucht, offenbart, dass 40 Prozent der Befragten versuchten, ihre Online-Zeit zu reduzieren – erfolglos.
Die James-Studie von 2024 ergab zudem, dass ein Drittel der Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren unerwünschte sexuelle Anfragen im Internet erlebte. Suchtverhalten sowie sexualisierte Gewalt werden als wesentliche Risiken hervorgehoben.
Politische Maßnahmen folgen, wie die EU-Kommission gegen TikTok mit einer Geldstrafe drohte wegen eines süchtig machenden Designs, welches das Gehirn in einen “Autopilot-Modus” versetze. Die Plattform müsse grundlegend verändert werden.
Die Schweiz plant über ein Gesetz zur Stärkung der Nutzerrechte gegenüber großen Onlinediensten zu agieren und fordert, dass mutwillige Inhalte leichter gemeldet sowie Forschern Daten zugänglich gemacht werden können. Kritiker weisen darauf hin, dass dieses Gesetz nicht ausreichend Schutz für Kinder bietet.
Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren, wie in Australien umgesetzt und von Persönlichkeiten wie Jonathan Haidt befürwortet, wird international diskutiert. Die Schweizer Bevölkerung steht überwiegend hinter einem solchen Verbot.
Bildungsforscherin Nina Kolleck argumentiert jedoch gegen Verbote: Social Media bieten sowohl Risiken als auch Chancen und fördern globale Vernetzung sowie gesellschaftliches Engagement, wie beim Arabischen Frühling oder der #metoo-Bewegung. Ein Verbot würde Jugendliche von diesen positiven Erfahrungen ausschließen.
Kolleck plädiert stattdessen für eine bessere Regulierung und Medienbildung in Schulen. Der Lehrplan 21 integriert nun Medienkompetenz, was Fortschritte zeigt, obwohl der Umfang begrenzt ist.
Thomas Merz betont die Notwendigkeit von Medienbildung als Vorbereitung auf das digitale Leben und sieht Verbote nur als kurzfristige Lösung. Eine wirksame politische Regulierung bleibt jedoch essentiell, um langfristig Schutz zu gewährleisten.