Rund 40 Prozent der Schweizer Arbeitskräfte arbeiten in reduziertem Pensum, was bei Jüngeren oft mit Ausbildungen, Kinderbetreuung und anderen Verpflichtungen zusammenhängt. Bei Erwerbstätigen über 50 sieht die Situation laut dem Schweizerischen Arbeitgeberverband anders aus: Viele von ihnen würden freiwillig Teilzeit arbeiten und sind nicht an einer Vollzeitanstellung interessiert. Patrick Chuard-Keller, Chefökonom des Verbands, betont, dass hier genauer hingeschaut werden sollte.
Die sogenannte “Lifestyle-Teilzeit” könnte dem Arbeitsmarkt entgegenkommen, so der Verband. Es gebe 86’000 Vollzeitstellen, die von diesen Erwerbstätigen möglicherweise aus eigenem Antrieb besetzt werden könnten. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund hingegen kritisiert den Begriff und weist darauf hin, dass viele Arbeitnehmer aufgrund von steigendem Stress und Arbeitsverdichtung ihre Stellen reduzieren.
Laut der Schweizer Gesundheitsbefragung ist der Anteil an Erwerbstätigen mit häufigem Stress im Job von 18 Prozent (2012) auf 23 Prozent gestiegen. Daniel Kopp vom Gewerkschaftsbund sieht in der Reduktion des Arbeitspensums oft einen Schutzmechanismus für die Gesundheit.
Der Fokus auf freiwillige Teilzeitarbeit soll laut Chuard-Keller den demografischen Wandel im Arbeitsmarkt thematisieren, da immer mehr ältere Arbeitnehmer und weniger junge Personen vorhanden sind. Die Frage nach der Motivation zur Vollzeitarbeit wird von Verband und Gewerkschaftsbund unterschiedlich gesehen: Der Verband sieht Anreizprobleme durch die Steuerprogression, während Kopp fordert, dass Unternehmen bessere Arbeitsbedingungen schaffen.
Arbeitgeber müssten laut dem Gewerkschaftsbund beispielsweise ausreichende Ruhezeiten und Personal bereitstellen. Der Verband hingegen sieht vor allem die Notwendigkeit staatlicher Anreize zur Förderung der Vollzeitbeschäftigung. Beide Parteien sind sich einig, dass eine Begrenzung des Bevölkerungswachstums, wie von der SVP vorgeschlagen, keine geeignete Lösung ist.
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