Der Boom der E-Bikes in der Schweiz geht einher mit einer deutlichen Zunahme von Unfällen. Mit etwa 1,4 Millionen E-Bikes auf den Strassen haben sich die schweren Unfälle in den letzten zehn Jahren verdreifacht; allein im vergangenen Jahr erlitten 586 Personen schwere Verletzungen und 24 starben. Diese Entwicklung führt zu Diskussionen über eine Helmpflicht. Aktuell ist nur bei E-Bikes, die Geschwindigkeiten bis zu 45 km/h erreichen, ein Helm obligatorisch.
Der Waadtländer FDP-Nationalrat Daniel Ruch hat diese Debatte erneut belebt und in einer Motion angeregt, Schutzmaßnahmen für Velofahrer auszuweiten, um die Zahl schwerer Unfälle zu verringern. Der Verband Pro Velo Schweiz sieht jedoch wenig Sinn darin; Jürg Buri, Geschäftsleiter des Dachverbands, argumentiert, dass ein Helmobligatorium die Anzahl der Unfälle nicht beeinflussen wird und möglicherweise Velofahrer abschreckt. In Australien führte eine ähnliche Regelung zu einem Rückgang im Radfahren.
Obwohl E-Bikes mit maximal 25 km/h keinen Helm erfordern, ist die Helmpflicht für schnellere Modelle bis 45 km/h vorgeschrieben. Interessanterweise tragen laut TCS rund 60 Prozent der Velofahrer bereits einen Helm, wobei auf E-Bikes ohne Pflicht sogar 70 Prozent geschützt sind. Buri hält eine Ausdehnung der Helmpflicht auf langsame E-Bikes für unverhältnismäßig.
Im Gegensatz dazu empfehlen Experten der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU), dass ein Helm bei motorisierten Zweirädern wie E-Bikes sinnvoll ist. Christoph Leibundgut von der BFU betont, dass ein Helm zwar nicht Unfälle verhindert, jedoch schwere Kopfverletzungen um bis zu 70 Prozent reduziert. Die Hoffnung liegt auf einer Normalisierung des Helmeinsatzes beim Velofahren.
Obwohl Pro Velo Schweiz keine Verpflichtung befürwortet, ist man sich mit der BFU einig, dass Verbesserungen in Infrastruktur und persönliche Vorkehrungen entscheidend zur Unfallverhütung beitragen können. Die Motion von Daniel Ruch liegt beim Bundesrat zur Prüfung; wann eine Debatte im Parlament stattfinden wird, bleibt ungewiss.