Am Wochenende wurde der an den Küsten der Ostsee gestrandete Buckelwal «Timmy» zurück ins Meer entlassen. Sein aktueller Standort ist unbekannt, da der GPS-Sender unerwartet keine Ortsdaten lieferte, wie Karin Walter-Mommert, eine Unterstützerin des Projekts, bekannt gab. Trotzdem sendet der Sender Vitalzeichen, die darauf hindeuten, dass das Tier am Leben ist, laut Walter-Mommert, konnten diese Informationen jedoch nicht unabhängig bestätigt werden.
Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle wurde Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet. In den rund 60 Tagen bis zu seiner Freilassung verbrachte er etwa zwei Drittel seiner Zeit in flachen Gewässern, zuletzt vor der Insel Poel. Am Dienstag wurde er in einen Lastkahn überführt und von dort aus zur Nordsee geschleppt.
Die Überlebenschancen des geschwächten Tieres galten als gering: Ein nicht funktionsfähiger GPS-Sender würde ohnehin keine Daten liefern, wenn der Wal untergetaucht ist. Experten von Tierschutzorganisationen äußerten sich einstimmig skeptisch bezüglich seiner langfristigen Überlebenschancen. Thilo Maack von Greenpeace erwähnte das Risiko für den Buckelwal in einer stark befahrenen europäischen Seeroute. Sollte der Kadaver sinken, würde er wahrscheinlich nicht an die Oberfläche gelangen, da der Wasserdruck dies verhindert. Eine Rückkehr in Küstennähe könnte ihn jedoch ans Ufer spülen.
Zum Zustand des Wals und den Details seiner Freilassung wurden keine Informationen oder visuelle Aufnahmen bereitgestellt. Umweltminister Till Backhaus von Mecklenburg-Vorpommern berichtete, es sei vereinbart gewesen, ein Überwachungssystem auf der Barge zu installieren – dies wurde jedoch nicht umgesetzt.
Unter den Geldgebern des privaten Projekts gab es Unmut. Sowohl Walter-Mommert als auch Mediamarkt-Gründer Walter Gunz distanzierten sich in einer Erklärung von den Vorgängen, die zur Freilassung führten. Die Initiative war nicht an der tatsächlichen Entlassung beteiligt und hatte diese nicht begleitet; stattdessen hatten Crewmitglieder der gecharterten Schiffe den Wal freigelassen.
Jeffrey Foster vom Whale Sanctuary Project in den USA war an Bord des Lastkahns während der Freilassung, aber seine Teammitglieder wurden am Morgen nicht wieder auf die Barge gelassen. Dadurch konnte der Gesundheitszustand des Wals nicht wie geplant überprüft werden.
Die genauen Maßnahmen zur Entfernung des zwölf Meter langen und stark geschwächten Buckelwals von Bord blieben unklar, ebenso wie etwaige Verletzungen. Berichten zufolge soll der Wal mit einem Seil an seiner Schwanzflosse befestigt worden sein – was nicht durch Quellen bestätigt wurde.
Fabian Ritter, ein Walforscher und Meeresbiologe, kritisierte das Vorgehen als unsachgemäß. Die Schwanzflosse ist lediglich über Bindegewebe mit dem Körper verbunden, weshalb ernsthafte Verletzungen drohten.
Die Bereederungsgesellschaft erklärte in einer Mitteilung, die Freilassung sei erfolgreich und in Abstimmung mit Foster durchgeführt worden. Sie hob besonders die Berücksichtigung der Schiffssicherheit sowie des Wohls des Wals hervor. Der Wal wurde mehrfach gegen die Seitenwand des Lastkahns geschleudert, was auf riskante Manöver während des Transports hinweist. In dieser Region gab es über Stunden starken Wellengang, der den Wal im Kahn heftig schaukeln ließ.