China versuchte, den geplanten Besuch des taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te bei seinem einzigen diplomatischen Verbündeten in Afrika zu verhindern. Doch am Samstag überraschte Lai mit einem unangekündigten Auftritt dort.
Es ist nicht unbekannt, dass Staatschefs ohne Vorankündigung auftauchen; so machten es auch US-Präsidenten bei Besuchen im Irak oder Afghanistan. Die Kunst der Überraschungsdiplomatie perfektionierte jüngst der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski.
Taiwanischer Staatschef Lai Ching-te erschien überraschend in Eswatini, dem letzten afrikanischen Bündnis Taiwans. In sozialen Medien teilte er ein Foto vom Ausstieg aus einem Flugzeug und zeigte sich sichtlich erleichtert und schelmisch lächelnd. Dieses Manöver war zugleich eine klare Antwort auf den Druck der chinesischen Führung.
Zwei Wochen zuvor hatte Lai einen geplanten Staatsbesuch zum 40-jährigen Thronjubiläum von König Mswati III. abgesagt, nachdem Seychellen, Mauritius und Madagaskar die Überflugsrechte verweigert hatten – angeblich auf Druck Chinas.
Taiwans Präsidenten sind selten international unterwegs; nur zwölf kleine Länder stehen noch diplomatisch zu Taiwan. Eswatini ist der letzte afrikanische Verbündete, während in Europa lediglich der Vatikan Beziehungen hält. Kurz nach Lais Wahl im Januar 2024 entzog China Nauru seine Anerkennung als Partner Taiwans.
China betrachtet Taiwan als Teil seiner Hoheitsgebiete und missbilligte den Besuch Lais in Afrika scharf. Das Büro für Taiwan-Angelegenheiten nannte Lai einen ‘Straßenratten-Präsidenten’, während das chinesische Aussenministerium behauptete, er sei heimlich an Bord eines ausländischen Flugzeugs geflohen.
Taipeh gab keine Einzelheiten zu Lis Reise bekannt. Die Sprecherin des Präsidialamts betonte lediglich, dass umfassende Sicherheits- und diplomatische Bewertungen die Reise ermöglichten.
Veröffentlichte Bilder legen nahe, dass Lai nicht mit den üblichen taiwanischen Flugzeugen reiste. Vermutet wird, er sei in einer Regierungsmaschine von Eswatini geflogen – eine These gestützt durch einen Besuch des stellvertretenden Premierministers von Eswatini in Taipeh am Donnerstag.
Der Besuch mündete in einem Zollabkommen. Symbolisch wichtiger ist jedoch die Botschaft: Taiwan behauptet seine Unabhängigkeit trotz chinesischen Drucks, der auch mit dem Entzug von Zöllen für alle afrikanischen Länder außer Eswatini fortgesetzt wurde.
Pekings Forderung an Eswatini lautete deutlich: Sie sollten den Lauf der Geschichte erkennen und nicht weiterhin die Interessen separater taiwanischer Kräfte unterstützen.