Ein mehrjähriges Projekt in den Kantonen Aargau, Thurgau und Zürich untersucht die Auswirkungen digitaler Landwirtschaftstechniken auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Das vom Agroscope-Kompetenzzentrum geleitete Projekt zeigt, dass Betriebe bis zu 25 Prozent ihrer Pestizidverwendung einsparen können. Allerdings ist der Aufwand für diese Präzisionslandwirtschaft (Precision Farming) erheblich und könnte die Lebensmittelpreise beeinflussen.
Vom Jahr 2019 bis 2026 umfasste das Projekt Investitionen von rund 4,1 Millionen Franken. Von diesem Betrag profitierten die teilnehmenden Betriebe direkt oder indirekt: 45 Prozent in Form von Abgeltungen und 33 Prozent durch Beratung sowie technologische Unterstützung.
Auf einem Feld bei Birrhard AG setzt der Gemüsebauer Thomas Käser digital unterstützte Methoden ein. Dank spezieller Anlagen an seinem Traktor kann er Salatköpfe präzise besprühen und Unkraut zwischen den Reihen mithilfe eines Hackroboters entfernen. Diese Technologien ermöglichen eine Reduktion des Pflanzenschutzmittels um bis zu 80 Prozent auf seinen Feldern.
Das Projekt hat in vier Bereichen Erkenntnisse erbracht: Potenzial zur Minderung der Pestizidverwendung liegt je nach Kultur und Wetterbedingungen bei bis zu 25 Prozent. Die Akzeptanz ist hoch, wenn die Technologien einfach anzuwenden sind und ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten. Einige Systeme sind finanziell selbsttragend, während andere eine Förderung benötigen.
Verschiedene Technologien wie satellitengestützte Lenksysteme und Prognosesysteme wurden getestet. Andreas Distel vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg betont: Das Ziel einer 25-prozentigen Reduktion wurde erreicht, obwohl die Einsparungen bei Ackerkulturen nur minimal waren.
Trotz Fortschritten in der Technologie gibt es noch Optimierungspotential, insbesondere im Obst- und Rebbau. Die finanziellen Herausforderungen für Landwirte, die in Präzisionslandwirtschaft investieren müssen, sind bedeutend. Thomas Käser merkt an, dass eine Amortisation der Kosten durch Einsparung von Pflanzenschutzmitteln lange dauern könnte.
Robert Finger, Agrarökonom an der ETH Zürich, bewertet die Ergebnisse positiv als ersten Schritt zur Effizienzsteigerung. Er sieht jedoch das Potenzial darin, nicht nur effizienter zu werden, sondern auch auf Pflanzenschutzmittel komplett verzichten zu können.
Landwirtinnen und Landwirte sind bereit, weniger Pestizide einzusetzen, erwarten dafür aber finanzielle Kompensation. Dies könnte die Lebensmittelpreise erhöhen und somit auch die Konsumenten betreffen.