Die Finanzierung der Tour de Romandie bleibt jährlich ein Balanceakt. Obwohl die Ausgabe 2027 gesichert ist, wünscht sich Renndirektor Richard Chassot mehr Sicherheit in der Planung.
Tadej Pogacar, aktuell als weltbester Radrennfahrer anerkannt, trug für fünf Tage das Maillot jaune. Dieses Leadertrikot gehört jedoch nicht zur Tour de France, die er viermal gewonnen hat, sondern zur Romandie. Im Gegensatz zu der französischen Rundfahrt, bei welcher L’Équipe von einem 10-Millionen-Euro-Sponsoring durch eine Bank berichtet, war das Trikot der Romandie ohne Logos – kein Sponsor bedeutete für den Veranstalter auch weniger Einnahmen.
Die Tour de Romandie existiert seit 1947 und wird bis auf die Ausnahme des Jahres 2020 kontinuierlich ausgetragen. Sie findet zwischen Frühjahrs-Classiques und dem Giro d’Italia statt, wo einst Radlegenden wie Ferdy Kübler oder Eddy Merckx triumphierten. Die finanzielle Situation der Romandie hingegen ist alles andere als glamourös: Der jährliche Finanzierungskampf bleibt bestehen.
Als Stiftung organisiert und den Westschweizer Kantonen gehörend, fließt dennoch nicht viel Steuergeld. Zwei Sponsoren haben sich zurückgezogen, was das Budget von etwa fünf Millionen Franken um zehn Prozent schmälerte. Reserven sind kaum vorhanden.
Pogacar, zweifacher Weltmeister, startete erstmals in der Romandie, was Hoffnung auf den “Pogacar-Effekt” macht. In Villars-sur-Glâne war der Prolog am Tag von Pogacars Auftritt: Kinder versammelten sich um seinen Mannschaftsbus und warteten auf Autogramme.
Chassot, Renndirektor seit zwei Jahrzehnten, zeigt Zufriedenheit: Wetterglück und attraktive Etappen zeichneten die Rundfahrt aus. Pogacar dominierte mit Siegen in der ersten Anstiege-Etappe sowie im Sprint und auf der Königsetappe.
Chassot berichtet von gesteigerter Aufmerksamkeit durch Pogacars Teilnahme, was sich in vermehrten TV-Übertragungen widerspiegelte. Die monetäre Auswirkung des “Pogacar-Effekts” ist jedoch schwer zu schätzen. Trotz Interessensbekundungen von Geldgebern sind Verhandlungen oft langwierig, da Finanzmittel knapper geworden sind.
Die Romandie 2027 sei gesichert, doch das Ziel seien Planungshorizonte bis zu fünf Jahren. Mit Pogacar ist auch die Tour de Suisse im Juni erstmals für ihn geplant, wo ebenfalls auf den Effekt gehofft wird.