Die Universität Bern lädt heute Abend zu einer Konferenz ein, die den irdischen Nutzen der Weltraumforschung beleuchten soll. Experten betonen dabei, dass Raumfahrt „eine einmalige Chance bietet, um unser Verständnis und unsere Verbesserungsmöglichkeiten im Gesundheitsbereich zu erweitern“.
Zu den Teilnehmenden gehört die Ingenieurin und Materialwissenschaftlerin Eleonore Poli aus Lausanne. Sie erforscht, wie Technologien der Raumfahrt auf Erden genutzt werden können. Schon mehrmals hat sie sich als „Analog-Astronautin“ bewährt.
„Unsere Missionen simulieren die Bedingungen einer Weltraumreise – sei es unter Wasser oder in abgelegenen Gebieten der Erde“, beschreibt Poli ihre Arbeit. Die Dauer solcher Simulationen kann von einigen Tagen bis hin zu einem Jahr reichen.
In den französischen Alpen absolvierte sie beispielsweise Eistauchübungen in Ganzkörperanzügen und überstand Schneestürme, während sie Zelte aufbaute. Bei der Amadee-24-Mission in Armenien trainierte sie internationale Forschende im Umgang mit Isolation unter realitätsnahen Bedingungen.
In einer Raumkapsel lebten fünf Analog-Astronautinnen und -Astronauten zusammen, um Aufgaben wie das Sammeln von Gesteinsproben in schweren Anzügen zu meistern. Poli erklärt den medizinischen Nutzen der Forschung: Durch die Schwerelosigkeit auf der ISS altern Menschen schneller – eine Situation, die es ermöglicht, Medikamente gegen Osteoporose zu testen.
Zudem simulieren Analog-Astronauten Notfalltelemedizin, um Menschen in Isolation zu helfen. Trotz einer traditionell nicht als Raumfahrtnation bekannten Schweiz spielt das Land eine bedeutende Rolle in der Weltraumforschung – schon seit den 1960er-Jahren gibt es entsprechende Studien an der Universität Bern.
Poli hebt die führende Position der Schweiz in Technologie und Innovation hervor: „Diese Expertise ist auch im Raumfahrtbereich von Bedeutung, wo Materialien extremen Bedingungen ausgesetzt sind.“
Ihr Traum: den Titel Analog-Astronautin hinter sich zu lassen und selbst ins All zu reisen. Dies erfordert jedoch viel Glück und Einsatz – bei der letzten ESA-Rekrutierung bewarben sich 22’000 Kandidaten, von denen 20 ausgewählt wurden.
Doch Poli lässt sich nicht entmutigen: „Im Leben sollte man immer alles versuchen.“ Ein Motto, das sie hoffentlich eines Tages in neue Sphären führen wird.