Für viele westliche Unternehmen könnte es angesichts der finanziellen Zurückhaltung von Staatsfonds aus dem Nahen Osten ungemütlich werden. Diese haben in den vergangenen Jahren erhebliche Summen nach Nordamerika und Europa transferiert, doch der Iran-Krieg zwingt sie nun zu einem Umdenken: Die Mittel sollen verstärkt innerhalb der Region eingesetzt werden.
Öffentlicher Unmut gegenüber Staatsfonds ist nicht unbegründet. Oft bleibt unklar, wer die Entscheidungen in den Fonds trifft – ob professionelle Manager oder staatliche Stellen. Zudem zeigen sie sich bei problematischen Investitionen oft zu passiv, wie das Beispiel des katarischen Staatsfonds bei der Credit Suisse zeigt.
Die Qatar Investment Authority führt die Liste mit verwalteten Vermögen von fast 600 Milliarden Dollar an. Schätzungen zufolge verwalten Fonds aus den sechs arabischen Golfstaaten nahezu 6 Billionen Dollar, was über 40 Prozent des weltweiten Staatsfondsvermögens ausmacht.
Ein Großteil der Gelder fließt in die eigene Region, um Abhängigkeiten von Öl- und Gasförderung zu reduzieren und neue Branchen wie Tourismus oder Luftfahrt zu entwickeln. Dennoch haben sie auch in westliche Unternehmen investiert: Allein in den letzten zehn Jahren flossen Investitionen im Wert von 800 Milliarden Dollar nach Nordamerika und Europa.
Angesichts des Konflikts mit dem Iran fragen sich nun Banker, wie weit Staatsfonds aus der Golfregion noch für internationale Portfolioinvestitionen infrage kommen. Diese Unsicherheit betrifft insbesondere amerikanische Technologieunternehmen, die auf weitere Investitionen angewiesen sind, um ihre Wachstumspläne zu finanzieren.
Die anhaltenden Konflikte könnten Staatsfonds zwingen, ihre Prioritäten neu zu setzen und zunächst die Bedürfnisse der eigenen Volkswirtschaften in den Fokus zu rücken. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert beispielsweise ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts Katars um über 8 Prozent. Dubai leidet unter fehlenden Einnahmen aus dem Tourismus.
Geld für lokale wirtschaftliche Stabilisierungsmaßnahmen und Reparaturen nach Beschuss ist nötig, zudem wird an der Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit gearbeitet. Sollten Investitionen in den Westen zurückgehen, könnte dies die Finanzmärkte treffen, gerade zu einem Zeitpunkt, an dem die Bewertungen stark gestiegen sind und die Luft für Aktien knapp wird. Die Abhängigkeit von diesen Fonds könnte dann spürbar vermisst werden.