Die Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) dient als Diskussionsplattform für Staats- und Regierungschefs in Europa, unabhängig davon, ob die Länder EU-Mitglieder sind. Auch die Schweiz nimmt teil.
Das achte Treffen fand in Eriwan statt, Armeniens Hauptstadt. Ein herausragender Teilnehmer war Mark Carney, der Premierminister Kanadas. Er betonte: “Kanada ist dankbar für den Platz am europäischen Tisch” und beschrieb sein Land als das ‘europäischste’ aller nicht-europäischen Länder.
Nach seiner beachteten Rede beim World Economic Forum in Davos sagte Carney, der weltweit für seine treffenden Formulierungen bekannt ist: “Kanada und Europa teilen die gleichen Werte: Frieden, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Pluralismus.”
Solche Ermutigungen hätten von Kanadas südlichem Nachbarn, den USA, erwartet werden können – doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Carney äußerte die Überzeugung, dass sich eine neue Weltordnung aus Europa heraus formiere.
Der britische Premier Keir Starmer unterstützte Carneys Ansicht: “Europa muss nun der Welt den Weg weisen,” sagte er.
Während zwei Verbündete Europa mit ihren Worten herausfordern, fehlt dem Kontinent selbst das politische Selbstvertrauen. Viele zweifeln daran, ob Europa aus eigener Kraft die wirtschaftliche und politische Krise überwinden kann.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen muss Lösungsansätze aufzeigen. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt: zu viele Abhängigkeiten machen Europa verwundbar, erklärte sie.
Dennoch gibt es Hoffnungsschimmer: In ganz Europa investiert man wie nie zuvor in Unabhängigkeit – mit Milliarden für Verteidigung, Forschung und Energiewende. Obwohl die Fortschritte noch zaghaft sind, zeichnet sich eine verbesserte Koordination ab.
Was irritiert, ist das fehlende Vertrauen der europäischen Bürger. Mut machen sollte jedoch Carneys Hervorhebung der Stärken Europas: der Verlass auf Werte wie Frieden und Demokratie.
Der französische Präsident Emmanuel Macron, Erfinder der EPG, merkte an, dass die Bedeutung dieser Werte in Europa unterschätzt werde. Vor vier Jahren stand das Format auf wackeligen Beinen – nun zeigt es seine Stärke: Das halbjährliche Treffen kann Hoffnung schenken in einer zerrütteten Welt.