Der AfD-Landesvorsitzende Thüringens nutzt einen populären Podcast als Plattform, um seine Thesen fast ohne Gegenrede zu verbreiten. Über eine Entwicklung, die den Journalismus vor Herausforderungen stellt.
In dem viereinhalbstündigen Interview, das bereits mehr als drei Millionen Menschen gesehen haben, wiederholt Björn Höcke bekannte Positionen. Als Rechtsaußen der AfD spricht er über eine «Demokratiesimulation» und ein austauschbares Regierungssystem von Opposition. Auf die Frage eines Zuhörens beendet Höcke mit dem Satz: Er sei ein «ganz normaler Mensch». Der Podcaster Benjamin Berndt, kein Journalist, führt das Gespräch ohne Konfrontation.
Berndts Ansatz zielt auf authentische Dialoge ab. In seinem Podcast vermeidet er die Rolle des Verhörs und lädt Gäste ein, «ungeskriptet» ihre Sichtweise darzulegen. Diese Herangehensweise hat Berndt weitreichende Aufmerksamkeit eingebracht. Neben Comedians und Politikern verschiedener Ausrichtungen konnte auch Höcke ausführlich seine Ansichten äußern, etwa zum Staatsbürgerschaftsrecht, das er als «Mordkomplott» bezeichnet.
Höcke spricht über historische Themen und seine politische Strategie, die AfD durch Landtagswahlen zu stärken. Obwohl in der Opposition, gewann die AfD 2024 in Thüringen mit 23,4 Prozent. Die mediale Vorsicht gegenüber Höckes Äußerungen ist groß; traditionelle Medien konfrontieren ihn oft direkt mit kontroversen Aussagen.
Im Gegensatz dazu bietet Berndt eine entspannte Atmosphäre für Höcke, ohne auf kritische Fragen zu verzichten. Die Vorgehensweise wurde als «rechtslastig» kritisiert und zeigt eine Skepsis gegenüber traditionellen Medien. Der Podcast gehört zu einem alternativen Medien-Ökosystem, das sich an US-Vorbildern orientiert.
Obwohl Deutschland noch nicht ganz dort angelangt ist, wächst der alternative Podcast-Bereich. Während Berndt eher Mitte-rechts-Zuhörer anspricht, richtet sich Thilo Jung an ein linkes Publikum. Die traditionellen Medien könnten von den Erfolgen solcher Formate lernen und ihre Interviewstrategien überdenken.